Das Archiv

Das Archiv der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erschließt und verwahrt die schriftliche Überlieferung der ehemals kurfürstlichen, dann königlichen und heute staatlichen Museen und Sammlungen Sachsens seit ca. 1830 sowie die Geschäftsakten der Generaldirektion, der Museumsdirektionen und der Querschnittsabteilungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden seit 1945.

Zum Bestand des Archivs gehören auch eine Zeitungsausschnittsammlung, ein Fotoarchiv, wissenschaftliche Nachlässe ehemaliger Angestellter und Nachlässe von Künstler*innen

Bestandsübersicht

Bei begründetem fachlichen Interesse – soweit dem gesetzliche Sperrfristen, Belange Dritter oder konservatorische Gründe nicht entgegenstehen – werden die Archivalien zur Einsichtnahme vorgelegt.

Das Archiv befindet sich in den Räumen der Kunstbibliothek im Residenzschloss.

Archivarin: Vera Wobad

Öffnungszeiten: Mo, Mi bis Fr 10-18 Uhr, Aktenbestellung von 10-16 Uhr

Weitere Informationen und Kontaktaufnahme

Für verschiedene Projekte der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist das Archiv Grundlage, Baustein und Unterstützer gewesen:

Briefwechsel zwischen Käthe Kollwitz und Max Lehrs, 1898–1923

Museen im Nationalsozialismus

Dokumente und Archivalien

Mo- und S-Inventare

Die sogenannten Mo- und S-Inventare wurden seit den frühen 1950er Jahren in Moritzburg (Mo) und Pillnitz (S) angelegt. Sie verzeichnen den Inhalt von zwei Depots, die Schlossbergungsbestände sowie zahlreiche andere Objekte unterschiedlicher Provenienz beherbergten. Die Mo- und S-Inventare sind wichtige Quellen zur Geschichte der Dresdner Gemäldegalerie und spiegeln die Umbrüche der Kriegs- und Nachkriegszeit wieder.

Im Verlauf der von der sowjetischen Besatzungsmacht angeordneten Bodenreform wurde vom Herbst 1945 bis zur Jahresmitte 1946 Großgrundbesitz mit mehr als 100 ha Fläche enteignet; in Sachsen betraf das 1.155 Schlösser, Guts- und Herrenhäuser. In rund 300 befanden sich private Kunstsammlungen oder zumindest einzelne Kunstwerke, die als „bewegliches nichtlandwirtschaftliches Inventar“ neben den Immobilien Gegenstand der Enteignung wurden. Sichtung, Bewertung und Abtransport der Kunstwerke wird mit dem seinerzeit geprägten Begriff „Schlossbergung“ beschrieben.

Zuständig für alle Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bodenreform, also auch für den Umgang mit enteigneten Kunstwerken, war die vom Innenminister geleitete Landesbodenkommission. Zwar waren Spezialisten der Museen (auch der SKD, damals noch Staatliche Sammlungen für Kunst und Wissenschaft), Archive und Bibliotheken an der Schlossbergung beteiligt, doch weder erfolgten die Enteignungen auf Initiative dieser Institutionen noch gelangten die Werke zunächst in deren Bestände.

Die Übernahme von Kunstwerken in die Museen geschah über mehrere Zwischenstufen schließlich erst mit dem Ende des Landes Sachsen in der DDR-Verwaltungsreform 1952. Diese führte auch zur Auflösung der Landesbodenkommission, die bis dahin Eigentümerin der enteigneten Werke gewesen war. Bei weitem nicht alle Kunstwerke gelangten schließlich in den Zuständigkeitsbereich von Museen, denn es hatte zwischen 1946 und 1950 unter der Regie der Landesbodenkommission einen regen Verkauf gegeben; eine Verkaufsstelle, die nicht von den SKD betrieben wurde, war im Albertinum angesiedelt.

Mit der Übernahme von Gemälden durch die Dresdner Galerie begann die systematische Inventarisierung der Werke, die inzwischen in zwei zentralen Depots zusammengefasst worden waren. Die Abkürzung Mo-Inventar („Verzeichnis der Gemälde aus der Schloßbergung, untergebracht in Schloß Moritzburg“) verweist auf Schloss Moritzburg, das bis zur Enteignung dem Familienverein Haus Wettin Albertinischer Linie gehört hatte und in dem sich auch das 1947 eröffnete „Barockmuseum“ befand. Die Abkürzung S-Inventar („Schloßbergungs-Gemälde-Inventar“) verzeichnet jene Gemälde, die in Depots im Pillnitzer Schloss lagerten. Dort befanden sich auch die Werke der Gemäldegalerie (die Trennung nach Alten und Neuen Meistern erfolgte erst später), da das Galeriegebäude am Zwinger kriegszerstört war und erst 1956 wieder bezogen werden konnte.

Beide Quellen stellen keine ausschließlichen „Schlossbergungsinventare“ dar, sondern umfassen Werke aus unterschiedlichen, heterogenen Provenienzen. So wurden Bestände aus dem Eigentum des Freistaates Sachsen (z.B. aufgelöster Museen und des Residenzschlosses), der Gemäldegalerie selbst sowie Dritter (z.B. aus Einlagerungen) erfasst, soweit solche sich während der Inventarisierung in den Depots befunden hatten.

Das Mo- und das S-Inventar haben heute als Bestandsnachweise der Dresdner Galerien einen hybriden Charakter. Einerseits sind sie aktuelle Inventare in dem Sinne, dass der weitaus größte Teil der darin erfassten Werke nur hier und nicht in anderen Inventaren verzeichnet ist. Lediglich Werke von exzeptioneller Qualität oder solche, die aus der DDR für Ausstellungen ins Ausland verliehen werden sollten, wurden parallel dazu in die regulären Inventare der Gemäldegalerien übernommen und damit deren „Altbestand“ angegliedert. Andererseits sind Mo- und S-Inventar historisch in dem Sinne, dass seit dem 3. Oktober 1990 Veränderungen nicht mehr systematisch in ihnen verzeichnet wurden; sie geben weder den aktuellen Stand der Provenienzrecherchen noch der Restitutionen wieder.

Die Eintragungen sind im Kontext der damaligen Verhältnisse zu sehen. Ein Großteil des Bestandes und der Archivalien der SKD befanden sich in der Sowjetunion, Informationen waren in den Kriegs- und Nachkriegswirren verloren gegangen, zahlreiche Museumsmitarbeiter*innen, sofern sie den Krieg überlebt hatten, wurden aus politischen Gründen entlassen bzw. übersiedelten in die westlichen Besatzungszonen. Aufgrund der hohen Anzahl von Kunstwerken, die in den 1950er Jahren neu erfasst werden mussten, konnte eine wissenschaftliche Bearbeitung nach heutigen Standards nicht erfolgen. Fehlerhafte Zuschreibungen, lückenhafte bzw. fehlende Herkunftsnachweise wurden erst viel später aufgrund von Provenienz- und kunsthistorischen Recherchen korrigiert.

Die Veröffentlichung der beiden Inventare bildet den Auftakt zu einer Dokumentation wichtiger historischer Quellen im Rahmen der Provenienzforschung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Schwärzungen erfolgten aus Gründen des Daten- bzw. Personenschutzes.

Folgende Dokumente können aktuell eingesehen werden:

Projekt Museen im Nationalsozialismus

Im Mittelpunkt des DFG-geförderten Forschungsprojektes stehen die Staatlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft in Dresden und die Berufsbiografien der Direktoren und wissenschaftlichen Mitarbeiter. Jenseits dieses monografischen Ansatzes werden das Verhältnis und die Verflechtungen von Wissenschaft, Museumsarbeit und Politik zwischen 1933 und 1945 ergründet. Ein Leitgedanke ist dabei die Frage nach der Kontinuität oder den Brüchen in der Museumsarbeit einerseits und in den Biografien der Protagonisten andererseits.

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Projekt Briefwechsel zwischen Käthe Kollwitz und Max Lehrs, 1898–1923

Im Archiv der SKD befindet sich der Briefwechsel zwischen Max Lehrs und Käthe Kollwitz aus dem Zeitraum von 1898 bis 1923. Die 49 Briefe und Postkarten der Künstlerin und die 60 Briefe des Kunsthistorikers geben lebendigen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Dresdner Kollwitz-Sammlung.

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Selbstportrait von Käthe Kollwitz
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Selbstbildnis nach halbrechts, um 1890 Feder und Pinsel in Schwarz, auf Zeichenpapier, 233 x 166 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
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