Umbenennung von Werktiteln

An dieser Stelle möchten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zum sensiblen Umgang mit Sprache in der Datenbank und der Schnittstelle zum Publikum, der Online Collection, informieren.

Umbenennung von Objekttiteln

2008 startete ein großes Projekt zur Herkunftsforschung an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Es wurde eine Museumsdatenbank aufgebaut, die unseren gesamten Sammlungsbestand erfasst und digital abbildet, dazu gehören auch die Werktitel. Diese bedürfen in einigen Fällen der Änderung. Die Gründe:

  1. Manche Titel erweisen sich im Zuge der neueren Forschung als sachlich falsch und müssen berichtigt werden.
  2. Andere Titel wurden geändert, weil mithilfe der Forschung neue Erkenntnisse zu einem Werk gewonnen wurden und ein Titel präzisiert werden kann. So hat eine vorher z.B. als „Junge“ bezeichnete Figur einen Namen, und dieser reicht als Beschreibung des Kunstwerks aus.
  3. Sprache verändert sich und was einst üblich war, gilt heute als diskriminierend – und umgekehrt. Begriffe in Objekttitel wie z.B. „Neger“, „Mohr“, „Zigeuner“ wollen die SKD vermeiden, da sie eine abwertende Bedeutung in sich tragen.

Von insgesamt 1,4 Millionen in der Museumsdatenbank erfassten Objekten wurden die Titel von 143 Werken in Hinblick auf diskriminierende Begriffe überarbeitet. Die meisten dieser Titel stammen nicht von den Künstlern und Künstlerinnen selbst, sondern aus der Forschung und von früheren Museumsmitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Sie sind oft nicht älter als 150 Jahre.

Historische Titel, also solche, die von einem Künstler oder einer Künstlerin vergeben wurden oder durch Inventarbücher oder Kataloge fest etabliert sind, wurden mit Anführungszeichen und dem Zusatz „(historischer Titel)“ gekennzeichnet. Andere Titel, die eher Beschreibungen sind, wurden sprachlich überarbeitet, ohne die Aussage des Werks zu verändern. Die ursprünglichen Titel werden nie gelöscht, sondern bleiben weiterhin in der Datenbank für die interne Recherche gespeichert, nur online werden sie nicht mehr angezeigt. Wenn diskriminierende Begriffe in historischen Titeln vorkommen, werden diese mit Sternchen überblendet. Das betrifft nur wenige Einträge. Wer sich die Begriffe dennoch anzeigen lassen möchte, kann dies mit einem Mausklick tun. Im Historischen Grünen Gewölbe, wo der berühmte „Mohr mit der Smaragdstufe“ ausgestellt ist, gibt es keine Objekttitel an den Kunstwerken. Im Audioguide kann man die alten Namen weiterhin hören. August der Starke spricht etwa das Wort „Mohr“ aus. Aktuell befindet sich der Audioguide in Überarbeitung und zukünftig wird eine Kinderstimme den Sprecher unterbrechen und darauf hinweisen, dass dieses Wort diskriminierend ist.

Es handelt sich bei diesem Vorgehen um gängige Museumspraxis und andere Institutionen wie etwa das Musée d’Orsay in Paris oder das Rijksmuseum in Amsterdam verfahren ähnlich.

Nein, denn die Wissenschaft ist in einer Demokratie frei von politischer Einflussnahme oder Kontrolle. Wäre dies anders, bestünde die Gefahr, dass die Forschung für politische Zwecke instrumentalisiert wird. Das wäre Merkmal eines autoritären Staates.

Nein, denn die Werke selbst bleiben unangetastet. Frühere Bilderstürmer haben die Werke zerstört, weil sie ihnen gefährlich oder obszön erschienen. Die Aufgabe der SKD ist es, die Werke zu bewahren und zu schützen. Dazu gehört, dass sie korrekte und zeitgemäße Bezeichnungen haben. Die historischen Titel bleiben für Forschungszwecke intern erhalten. Je genauer die verschiedenen Titel in der Datenbank erfasst sind, desto besser kann man die Kunstwerke in ihrer Geschichte analysieren.

Zensur ist das bewusste Verbieten, Verhindern oder Unterdrücken einer kulturellen oder politischen Äußerung aus politischen Gründen. Durch eine Änderung von Werktiteln ändert sich die Aussage des jeweiligen Werkes nicht. Im Gegenteil wird durch die Änderung jetzt präziser beschrieben, was man sieht.

So hieß zum Beispiel eine Zeichnung von Rembrandt aus dem Kupferstich-Kabinett „La Negresse couchée“, „Die liegende Negerin“. Der französische Titel zeigt schon an, dass er nicht von Rembrandt selbst stammt. Die Forschung hat festgestellt, dass in Wahrheit eine hellhäutige Frau im Schatten auf Kissen liegt. Daher wurde der Titel korrigiert.  

Die Änderungen finden bislang in der Datenbank mit ihrer Schnittstelle nach außen, der Online Collection statt. Perspektivisch werden sie auch in den Ausstellungen umgesetzt. 

PRessemitteilung

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