Einladung zur Pressekonferenz „William Kentridge. Listen to the Echo“
27. August 2025Einladung zur Pressekonferenz „William Kentridge. Listen to the Echo“
Zum 70. Geburtstag von William Kentridge widmen die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) dem südafrikanischen Künstler ein großes Ausstellungsfestival mit dem Titel „William Kentridge. Listen to the Echo“, ausgerichtet von drei Museen des Verbundes in Kooperation mit dem Museum Folkwang in Essen. Neben dem Weltstar Kentridge agiert in Dresden auch das von ihm und Bronwyn Lace gegründete Centre for the Less Good Idea aus Johannesburg als kuratorischer und künstlerischer Partner des Festivals. Erstmals lassen sich so die bildende Kunst William Kentridges und gleichzeitig die radikal kreative Praxis des Centres an einem Ort in einer internationalen Ausstellung erleben.
Ausgehend von den Erfahrungen im Apartheidregime Südafrikas geht es in Kentridges Werken um die Wunden von Rassismus, Ausbeutung und Ungerechtigkeit in von repressiven Regimen gedemütigten Gesellschaften, ebenso wie um große Fragen, wie Schuld und Vergebung, Gemeinschaft und Menschlichkeit. Damit lassen sich seine Werke nicht nur mit lokalem Bezug lesen. Weltweit stoßen sie auf ein Echo der persönlichen oder kollektiven Betroffenheit. Dresden und Essen haben sich zusammengeschlossen, um gesellschaftliche und politische Fragen an zwei historisch sehr unterschiedlich geprägten Orten zu adressieren und Kentridges Kunst in diesen jeweils spezifischen Resonanzräumen erlebbar zu machen.
Prozessionen, Aufmärsche und Demonstrationen spielen in Dresden seit jeher eine besondere Rolle: angefangen bei den prachtvollen Festumzügen Augusts des Starken, dem Kampf um Bürgerrechte im 19. Jahrhundert, über staatlich organisierte Paraden zu DDR-Zeiten, die Friedliche Revolution um 1989, bis zu den Pegida-Protestmärschen unserer Zeit.
Der monumentale Dresdner Fürstenzug, dessen Entwürfe in dieser Ausstellung zu sehen sind, ist als Ahnengalerie der sächsischen Herrscher ein Zeichen von Macht. Exemplarisch steht er für die widersprüchlichen Echos der Vergangenheit über Herrschaft und Widerstand, Selbstermächtigung und Unterdrückung, Stolz und Furcht, Triumphe und Klagen. Wilhelm Walthers 1869 bis 1876 entstandene, maßstabsgleiche Vorzeichnungen zu diesem berühmten Werk gehören in die Sammlung des Kupferstich-Kabinetts. Mit Unterstützung der Rudolf-August Oetker-Stiftung in Vorbereitung der Ausstellungen restauriert, bilden sie deren konzeptuelles Herzstück.
Im Albertinum werden sie William Kentridges monumentalen Filminstallationen „More Sweetly Play the Dance“ (2015) und „Oh To Believe in Another World“ (2022) gegenübergestellt. Hier begegnen Kentridges Figuren, darunter Tanzende und Strauchelnde, Soldaten und Besiegte den Mitgliedern der sächsischen Herrscherdynastie der Wettiner. Im Dialog wird deutlich: Der Triumph der einen ist die Klage der anderen und umgekehrt. Im anschließenden Ausstellungsteil werden weitere Arbeiten – Zeichnungen, Bildteppiche, Skulpturen, Fotografien, Collagen – zum Thema Prozession gezeigt, die einen Einblick in die Konzeption und Realisierung der beiden Filme und einen wichtigen Eindruck von Kentridges künstlerischer Praxis in all ihrem Facettenreichtum vermitteln.
Auch im Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss steht das Thema der Prozession im Zentrum. Hier wird das reiche druckgrafische Werk Kentridges durch 45 Jahre Schaffenszeit vorgestellt. So wird deutlich, dass Kentridge gattungs- und medienübergreifend an Bildfindungsprozessen interessiert ist, die interdisziplinär, offen, experimentell und vor allem kollaborativ angelegt sind. Dabei ist Kentridge so eigenständig in seinen Bildwelten wie kunstgeschichtlich kenntnisreich. In der Gegenüberstellung mit Druckgrafiken aus dem Kupferstich-Kabinett, etwa von Hans Burgkmair, Jacques Callot, Albrecht Dürer, Francisco de Goya oder mit frühen Farbholzschnitten nach Andrea Mantegnas Triumphzyklus zeigen sich sowohl die ästhetischen Verbindungen über die Jahrhunderte hinweg als auch die Bedeutung des Prozessionsthemas in kunsthistorischer Tradition. Ein besonderer Gast ist die Bronzestatuette „Marc Aurel“ des Florentiner Bildhauers Filarete aus der Skulpturensammlung der SKD.
Im Studiolo ebenfalls im Residenzschloss gewährt eine Präsentation von zwei Filmen aus der fortlaufenden Serie der „Drawings for Projection“ – „Monument“ (1990) und „Weighing… and Wanting“ (1998) – Einblick in William Kentridges bedeutendes Langzeitprojekt, das mit zeichnerischen Mitteln eine Art Chronik der jüngeren südafrikanischen Geschichte vorführt. Parallel zu den animierten Kohlezeichnungen im Film entstanden großformatige virtuose Zeichnungen, die diese Werkgruppe ergänzen.
In der Puppentheatersammlung im Kraftwerk Mitte kuratieren Künstlerinnen und Künstler vom Centre for the Less Good Idea die Jahresausstellung 2025/2026. Durch vitale Kreativität ausgezeichnet, basiert auch dieser Teil des Festivals auf dem Prinzip der kollaborativen Praxis. Gleichzeitig entsteht hier ein Echo zwischen verschiedenen künstlerischen Welten: dem Universum von William Kentridge, der künstlerischen Praxis des Centre und der (historischen) Puppenspielkunst, deren Artefakte in der Puppentheatersammlung aufbewahrt werden.
Das Team des Centre hat sich mit der Puppentheatersammlung beschäftigt und widmet sich dem Puppenspiel, dem Spiel mit Schatten und Silhouetten und der Animation von Objekten im Greenscreen-Studio. Dafür wurden fünf Schaukästen auf der Basis von „Pepper’s Ghost“ entwickelt. Diese alte Theatertricktechnik lässt mithilfe einer semitransparenten Glasscheibe „Geister“ auf der Bühne erscheinen. Die Miniaturform ist dabei eine ganz neu entwickelte künstlerische Ausdrucksform. Neben neuen Sound- und Videoinstallationen und historischen Objekten werden Arbeiten von Kentridge als Puppentheaterregisseur und Schöpfer animierter Objekte gezeigt.
Eine neu in Auftrag gegebene, große performative Arbeit wird zudem im Rahmen der Eröffnung des Festivals am 5. September von 19:30 bis 21 Uhr uraufgeführt: die Prozession „Foot Power“ durch die Dresdner Innenstadt. Sie ist ein Werk des Centre for the Less Good Idea in Zusammenarbeit mit William Kentridge, die dank der Unterstützung von MUSEIS SAXONICIS USUI – Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e. V. realisiert werden konnte. Sie entstand in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden, der Banda Comunale und dem Singasylum – Chor für Alle. Die Prozession ist ein öffentliches Ereignis.
Am 6. September, 12 Uhr hält Kentridge in der Historische Schaltwarte im Kraftwerk Mitte die Lecture-Performance „A Defense of the Less Good Idea“. Anschließend wird zwischen 15 und 16 Uhr im Studiensaal des Kupferstich-Kabinetts im Residenzschloss die Gelegenheit gegeben, sich den Katalog von Kentridge persönlich signieren zu lassen.
Am 13. und 14. Februar 2026 bringt die Dresdner Philharmonie unter der Leitung von Michael Sanderling die Zehnte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch gemeinsam mit William Kentridges Werk „Oh To Believe In Another World" zur Aufführung. Kentridge thematisiert in seinem Film, den er zu dieser Sinfonie schuf und der als Videoinstallation auch im Albertinum zu sehen sein wird, das ambivalente Verhältnis des Komponisten zum Sowjetstaat.
Der Katalog „William Kentridge. Listen to the Echo“ erscheint im Steidl Verlag. Er wird herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem Museum Folkwang in Essen, 272 Seiten, ISBN 978-3-96999-476-4, Buchhandel: 38,- Euro.