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© Georg Baselitz 2016, Foto: Archiv Georg Baselitz

Stiftung G. und A. Gercken

Das Ehepaar Günther und Annemarie Gercken sammelt seit den 1950er Jahren zeitgenössische Grafik, Gemälde und Skulpturen. Ein Teil dieser Sammlung wurde 2016 in eine Stiftung überführt, die bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beheimatet ist. Zur Stiftung gehören derzeit über 30 Gemälde und mehr als 250 Grafiken, weitere Werke sollen zu einem späteren Zeitpunkt dazukommen.

Im Zentrum der Stiftung stehen Werke von Georg Baselitz aus allen Schaffensperioden, dessen Gemälde, Zeichnungen, Holzschnitte und Radierungen einen maßgeblichen Beitrag zur figurativen Kunst in der Bundesrepublik Deutschland nach 1960 darstellen. Die Stiftung umfasst mit Werken von Horst Antes und Markus Lüpertz weitere wichtige Positionen gegenständlicher Malerei der 1960er bis 1980er Jahre. Daneben sind Werke von Armando, Felix Droese und Gustav Kluge sowie Arbeiten jüngerer Künstlerinnen und Künstler wie Carsten Nicolai, Frank Nitsche, Thomas Scheibitz und Valérie Favre vertreten.

Die Stiftung umfasst mit ihrem umfangreichen und sehr qualitätsvollen Grafikbestand u.a. Zeichnungen, Aquarelle, großformatige Linolschnitte, Radierungen und Holzschnitte von Georg Baselitz sowie ein größeres Konvolut an Lithografien und Zinkätzungen von Horst Antes, zumeist seltene Probedrucke, die Günther Gercken als Verfasser des Werkverzeichnisses der Radierungen für die Sammlung ausgewählt hat. Hinzu kommen Papierarbeiten von Felix Droese, Antonius Höckelmann, Per Kirkeby, Gustav Kluge, York der Knoefel und Carsten Nicolai sowie Mappenwerke von Werner Büttner, A. R. Penck und Dieter Roth.

Anlässlich der Gründung der Stiftung wurde 2016 eine Auswahl von Werken in der Ausstellung „Sehgründe“ im Albertinum gezeigt – eine Kooperation mit dem Kupferstich-Kabinett.

Der Titel „Sehgründe“ nimmt Bezug auf die Einführung von Günther Gercken zu einer Ausstellung von Gustav Kluge im Kunstverein Göttingen 1996: 

Was wäre der Wert der Bilder, wenn mit ihnen nicht das Unausgesprochene und Unaussprechbare gesagt würde. Sie können das richtige Sehen lehren, indem sie das sichtbar machen, was wir nicht unmittelbar sehen oder nicht wahrhaben möchten. […] Die Leinwände sind Sehgründe, die den Blick in die Hintergründe und Abgründe ziehen.

Günther Gercken 1996 anlässlich einer Ausstellung von Gustav Kluge im Kunstverein Göttingen

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Dieses tiefe und unablässige Interesse von Günther und Annemarie Gercken an der Entschlüsselung der Sehgründe in der bildenden Kunst gepaart mit Kennerschaft und Qualitätsbewusstsein prägt bis heute das Profil ihrer Sammlung.

Werke im Kupferstich-Kabinett

Die Stifter

Autonom im Urteil und unbeeindruckt von kurzlebigen Konjunkturen auf dem Kunstmarkt setzten sich die passionierten Kunstliebhaber und ausgezeichneten Kunstkenner Günther und Annemarie Gercken in zahlreichen Publikationen inhaltlich mit den von ihnen gesammelten künstlerischen Positionen auseinander. Günther Gercken, Professor für Biochemie an der Universität Hamburg i. R., hat sich zeitlebens auch auf dem Gebiet der Kunst betätigt, so im documenta-Rat 1968 als Leiter des Arbeitsausschusses Grafik/Objekte und als langjähriger Vorsitzender des Kunstvereins in Hamburg. Sein Schriftenverzeichnis enthält Veröffentlichungen zu unterschiedlichen Themen der Kunstgeschichte. Besonders hervorzuheben sind seine wissenschaftlichen Texte über Grafik, vor allem die Herausgabe des kritischen Werkverzeichnisses der Druckgrafik von Ernst Ludwig Kirchner.

Aus unserer Online Collection

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