Das Kunstgewerbemuseum kuratiert mit „Spoon Archaeology“ den deutschen Beitrag auf der London Design Biennale 2021

25. Mai 2021

Das Kunstgewerbemuseum kuratiert mit „Spoon Archaeology“ den deutschen Beitrag auf der London Design Biennale 2021

Mit dem konsumkritischen Projekt „Spoon Archaeology“ beteiligt sich das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) an der diesjährigen London Design Biennale 2021. Unter der künstlerischen Leitung der britischen Künstlerin und Bühnengestalterin Es Devlin widmet sich die dritte Biennale in Reaktion auf die dramatischen Auswirkungen der Pandemie der Fragestellung: Können wir eine bessere Welt gestalten?

Die Präsentation wird von Thomas A. Geisler, dem Direktor des Kunstgewerbemuseums und Initiator des neugegründeten Design Campus in Schloss Pillnitz, kuratiert und von den Designern Kai Linke und Peter Eckart gestaltet. Die Schau findet vom 1. bis zum 27. Juni 2021 im Londoner Somerset House statt. Begleitet werden die Installationen von zahlreichen Online-Programmpunkten, die sich den Themen einer nachhaltigen Lebensgestaltung mit globalem Anspruch widmen

Den Kern der Installation bildet die umfangreiche Sammlung an Wegwerfbestecken aus Kunststoff und anderen Materialien, die die Designer über viele Jahre als Studienobjekte gesammelt haben. Plastik-Bestecke sind ein globales Phänomen und auch ein globales Problem. Als Wegwerfprodukte werden sie massenhaft hergestellt, sind günstig, leicht zu transportieren und lassen sich genauso einfach entsorgen, wie sie benutzt worden sind. Sie sind Symbol unserer globalisierten Logistik und Wegwerfkultur.

Inszeniert als archäologische Exponate, Kuriositäten und Faszinosa, sind diese Objekte Zeitzeugen einer gerade beendeten Ära und geben Auskunft über den Zustand der globalen Konsumgesellschaft. Filme und Infografiken visualisieren einen Forschungsprozess auf der Suche nach Alternativen zu Plastikgeschirr. Untersucht werden Produktionskreisläufe und Materialflüsse wie auch kulturanthropologische Aspekte von Essgewohnheiten.

Ein wichtiger Bestandteil der Installation ist die wenig bekannte Filmdokumentation „Banana Leaf“ aus dem Archiv des US-amerikanischen Designerpaars Ray und Charles Eames aus dem Jahr 1972, die die Reduktion des Tafelgeschirrs auf ein einfaches Bananenblatt als höchste Stufe der Essenskultur in Südindien zelebriert. Die Installation wirft dabei weitreichende Fragen zum Spannungsverhältnis zwischen Design und dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen auf.

Hintergrund des deutschen Beitrags ist das ab dem 3. Juli 2021 geltende Verbot von Kunststoffbesteck in der Europäischen Union. Die in den letzten Jahrzehnten produzierten Einwegbestecke werden damit zu Artefakten der jüngsten Vergangenheit. Als Exponat vermittelt Besteck nicht nur den Kontext ihrer Benutzung oder ihres Kulturkreises, sondern gibt Rückschlüsse auf die Speisen, die ebenso Teil der optimierten Nahrungsaufnahme sind. Auch Essenwerkzeuge passen sich den Entwicklungen des menschlichen Lebens an und sind damit wichtige Akteure unserer Tisch- und Esskultur sowie Technikgeschichte.

Thomas A. Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums: „Design ist ein willfähriger Gehilfe in der Umsetzung einer aus unserer Sicht selbstverständlichen Lebenskultur. Die Klimakrise und die Pandemie lehren uns, unsere Gewohnheiten zu ändern, mehr auf unsere Intuition zu hören und Empathie zu erlangen, um in Resonanz mit unserer Umwelt zu treten. Mit einem Verständnis der komplexen Zusammenhänge kann Design Bewusstsein schaffen und uns dabei helfen, veraltete Systeme zu durchbrechen.“

Der Designer Peter Eckart entwirft mit seinem Büro unit-design, Frankfurt und Bern Designprojekte für Unternehmen und öffentliche Institutionen. Er ist Professor für integrierendes Design mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit und Mobilität an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. 2014 gründete er mit Georg Bertsch und Kai Vöckler das Designinstitut für Mobilität und Logistik und arbeitet im interdisziplinären LOEWE-Forschungsverbund Infrastruktur – Design – Gesellschaft an Fragen zukünftiger umweltfreundlicher Mobilität.

Mit seinem 2009 gegründetem Studio Kai Linke arbeitet der gleichnamige Designer in den interdisziplinären Bereichen Produkt- und Ausstellungsdesign, Art Direktion, Innovationsberatung und Architekturkooperationen. Seit 2015 lehrt er an der Kunsthochschule Kassel im Fachbereich Produktdesign und veröffentlichte 2019 das Buch „Kai Linke in Japan“.

Die 2016 von Sir John Sorrell CBE und Ben Evans CBE gegründete London Design Biennale fördert die internationale Zusammenarbeit und die globale Rolle des Designs mit Ausstellungen und Installationen. Das diesjährige Motto lautet „Resonance“ und beschäftigt sich mit den Folgen von Design und Produktion.

Pressebilder- und -dossiers

Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Heiko Prigge
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Heiko Prigge
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Heiko Prigge
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Heiko Prigge
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Heiko Prigge
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Daniel Rese
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Heiko Prigge
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Helena Reinsch
Ausstellungsansicht "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Helena Reinsch
Charles & Ray Eames, Banana Leaf, 1972 Film Still
© Eames Office, 1972, 2021, LLC. All rights reserved
Film Still "Fingers and Food" Concept & Design: Peter Eckart, Kai Linke; Video by Julie Gaston & Robin Schmid
© Julie Gaston & Robin Schmid
Kai Linke, "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Liun Kim
Kai Linke, "Spoon Archaeology" London Design Biennale 2021
© Kai Linke
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