Einladung zum Pressegespräch | "Mohr" mit Mineralien

02. April 2019

Mohr mit Mineralien 1

Eine temporäre Intervention von Bertram Haude am "Mohr" mit Smaragdstufe

Die Skulptur eines „Mohren“ mit Smaragdstufe gehört zu den bekanntesten Kunstkammerstücken aus dem Historischen Grünen Gewölbe. Bei der aus Birnholz geschaffenen, mit Goldschmiedearbeiten und Schmucksteinen verzierten Statuette handelt es sich auf den ersten Blick um einen jungen Mann afrikanischer Herkunft, welcher sich bei näherem Hinsehen aufgrund seines Körperschmuckes und seiner Bekleidung jedoch als indigener Einwohner Floridas erweist.

  • Laufzeit 10.04.2019—22.07.2019
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr, Dienstag geschlossen

Mohr mit Mineralien 2

Er trägt auf einem Tablett ein mit Smaragdkristallen besetztes Gestein. Dieses gelangte um 1581 als Geschenk des Kaisers Rudolfs II. an Kurfürst August in die Kunstkammer. Um 1723 schuf Balthasar Permoser die Statuette, welche die Edelsteine originell präsentieren sollte, nach einem Kupferstich aus Johann Melchior Dinglingers Werkstatt.

Im Rahmen der Intervention „Mohr“ mit Mineralien wird der Leipziger Künstler Bertram Haude die historische Gesteinsstufe temporär gegen eine Stufe mit sogenannten anthropogenen Substanzen austauschen. Dabei handelt es sich um Mineralien, die eng mit dem menschlichen Wirken verbunden sind: 2017 gab eine Forschergruppe um den amerikanischen Mineralogen Robert Miller Hazen erstmals eine Übersicht über die sogenannten anthropogenen Mineralien heraus. Diese Substanzen verdeutlichen, wie sich die Folgen menschlichen Tuns in das geologische Grundgerüst der Erde einschreiben. Sie könnten auch nach Millionen von Jahren noch von jener Erdepoche zeugen, in welcher der Mensch zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf die Prozesse auf der Erde geworden ist. Chemisch gesehen handelt es sich dabei um Mineralien, dennoch sollten sie nicht so bezeichnet werden, denn die International Mineralogical Association legt ein klares Kriterium fest: Mineralien entstehen „auf natürlichem Wege“. Das macht sie zu einem Kuriosum – und das Kuriose findet in der Sammlung des Grünen Gewölbes Dresden bekanntlich seinen Platz.

Das Projekt fokussiert einerseits auf einen sich verändernden Begriff von Natur – was gilt heute als „natürlich“? Andererseits ermöglicht die Intervention eine kritische Befragung eines historischen Objekts aus einer postkolonialen Perspektive: Die Statuette selbst ist ein Erbstück des Kolonialismus, die anthropogenen „Minerale“ wiederum sind Produkte einer andersgearteten, gegenwärtigen Vereinnahmung durch den Menschen: jener des Planeten.
Bertram Haude möchte durch die subtile Irritation im Ausstellungsraum die Besucher*innen einladen, das folgenreiche Wirken des Menschen im Angesicht seiner Errungenschaften, seiner Kunst und seiner Zukunft zu reflektieren.

Die ausgewählten Mineralien stammen aus den Mineralogischen Sammlungen des Senckenberg Instituts Dresden und der Mineralogischen Sammlungen der TU Freiberg.

Im Rahmen der Intervention wird ein interdisziplinäres Symposium mit Forscher*innen aus Kunstgeschichte, Mineralogie, Soziologie und Ethnologie stattfinden, um sich aus verschiedenen Perspektiven dem historischen Objekt und der künstlerischen Intervention anzunähern: Freitag, 21. 06. 2019, ab 14 Uhr im Hans-Nadler-Saal und Grünen Gewölbe im Residenzschloss Dresden.

Pressebilder- und -dossiers

Skulptur mit Edelsteinen
"Mohr" mit Smaragdstufe, wohl 1724 Grünes Gewölbe
© SKD, Foto: Jürgen Karpinski
Anthropogene Substanzen = "Neue Mineralien" auf dem Tablett des "Mohr mit Smaragdstufe"
© Bertram Haude, Foto: Jan Stradtmann
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