Der Dresdner Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler – Dinglingers schärfster Konkurrent

29. November 2019

Dinglingers schärfster Konkurrent

Anlässlich seines 350. Geburtstags widmet sich das Grüne Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) erstmalig dem Schaffen des Hofjuweliers Johann Heinrich Köhler (1669–1736). Köhler kam in den 1690er-Jahren aus dem beschaulichen Bad Langensalza in Thüringen in die aufblühende Residenzstadt Dresden. Die Herausforderung bestand für den Goldschmied darin, sich hier neben seinem größten Konkurrenten Johann Melchior Dinglinger (1664–1731) zu behaupten. Als Schöpfer imposanter Kabinettstücke wie dem berühmten Thron des Großmoguls Aureng-Zeb (1701–1708) dominierte dieser zusammen mit seinen Brüdern die höfische Juwelierkunst. Allmählich gelang es Köhler jedoch, die Gunst Augusts des Starken zu erlangen, der ihn 1718 schließlich zum Hofjuwelier ernannte.

In dieser Position war er mit vielfältigen Aufgaben betraut. Sein breites Tätigkeitsspektrum umspannte die Anfertigung von exquisiten Perlfiguren, pretiösen Fassungen von Elfenbeinfiguren oder die Bearbeitung von Juwelengarnituren. Auf dem Gebiet der Prunkuhren aber präsentierte Köhler die ganze Palette seiner handwerklichen und innovativen Fähigkeiten – ähnlich wie dies sein Kontrahent Dinglinger mit einer Reihe von Prunkschalen getan hatte.

Darüber hinaus war Köhler im Zuge der Einrichtung des Grünen Gewölbes als barocke Schatzkammer an Inventarisierungen von Objekten des Grünen Gewölbes beteiligt, setzte Kunstwerke instand, taxierte sie und begleitete sie auf Reisen – Aufgaben, die heute von Restaurator*innen ausgeführt werden. Sein Umgang mit den historischen Objekten zeichnete sich durch ungewöhnlich einfühlsame Eingriffe aus und brachte – etwa mit dem Nautiluspokal mit Korallenzinken – geniale Neuschöpfungen hervor.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von 23 Werken Köhlers aus der Sammlung des Grünen Gewölbes und weitere 23 Stücke, die im Neuen Grünen Gewölbe zu sehen und mit Piktogrammen gekennzeichnet sind.

Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist ein großes Altarkreuz, das Köhler kurz vor seinem Tod im Jahr 1736 seiner Taufkirche St. Stephan in Bad Langensalza stiftete. Anlässlich dieser Ausstellung verlässt das kaum bekannte Werk erstmals seinen angestammten Ort. Der üppige Besatz des als Sockel dienenden Berges Golgatha mit rund 350 Edel- und Glassteinen war bereits damals eine kleine Sensation. Dies belegt eine zeitgenössische Beschreibung, die detailliert die einzelnen Steine auflistet und benennt. Im Rahmen eines interdisziplinären Forschungsprojektes in Kooperation mit der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und der Hochschule für Bildende Künste Dresden wurde der Steinbesatz im Vorfeld der Präsentation naturwissenschaftlichen Analysen unterzogen. Die teils überraschenden Ergebnisse werden ebenfalls in der Ausstellung gezeigt.

Begleitend zur Sonderausstellung erscheint ein Katalog im Sandstein Verlag Dresden. Diese erste Monografie zu Johann Heinrich Köhler beleuchtet alle Facetten seines Schaffens und enthält ein Verzeichnis seiner Werke im Grünen Gewölbe. Hrsg.: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dirk Syndram, Ulrike Weinhold, 216 Seiten, 149 farbige Abb., ISBN 978-3-95498-521-0.

Auf Wunsch stehen Ihnen die Kuratorinnen der Ausstellung, Ulrike Weinhold und Susanne Thürigen für Presseanfragen zur Verfügung. Hierfür bitten wir um Anmeldung über presse@skd.museum oder 
+49(0)351 4914 2643.

Pressebilder- und -dossiers

Nautiluspokal mit Korallenzinken, Johann Heinrich Köhler, Dresden, 1724 (Neufassung) Umkreis der Familie Bellekin, wohl Amsterdam, 1. Hälfte 17. Jahrhundert (Perlmutterarbeit), Drache wohl 3. Viertel 16. Jahrhundert, Grünes Gewölbe
© SKD, Foto: Paul Kuchel
Altarkreuz mit Edelsteinen und Glassteinen
Altarkreuz, Johann Heinrich Köhler (Berg), Johann Diegmund Weniger (Kreuz), Dresden, 1736, Bad Langensalza, Bergkirche St. Stephane St. Stephan © SKD, Foto: Maria Willert
Hubertusuhr, Johann Heinrich Köhler (Goldschmiedearbeit), Johann Gottlieb Graupner (Uhrwerk), Dresden, um 1720-1727 Grünes Gewölbe, SKD
© SKD, Foto: Paul Kuchel
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