Einladung zum Pressegespräch | Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990

11. Juni 2018

Ostdeutsche Malerei

Focus Albertinum

In der Reihe „Focus Albertinum“ gilt das aktuelle Schlaglicht dem eigenen Bestand der Kunst in der DDR. Ein Querschnitt durch die Sammlungen ostdeutscher Malerei und Skulptur gibt – nach Ankaufsjahren geordnet – nicht nur einen spannenden Einblick in die Bestände, sondern auch in die wechselvolle Ankaufspolitik zu DDR-Zeiten und danach. Die Präsentation „Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990“, die ab dem 15. Juni 2018 im Albertinum zu sehen sein wird, umfasst 114 Gemälde und 33 Skulpturen.

  • Laufzeit 15.06.2018—07.01.2019
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr, Montag geschlossen
    24.12.2018, 10—14 Uhr  (Heilig Abend)
    25.12.2018, 10—18 Uhr  (1. Weihnachtsfeiertag)
    26.12.2018, 10—18 Uhr  (2. Weihnachtsfeiertag)
    31.12.2018, 10—18 Uhr  (Silvester)
    01.01.2019, 12—18 Uhr  (Neujahr)
  • Eintrittspreise regulär 10 €, ermäßigt 7,50 €, unter 17 frei, ab 10 Pers. 9 €

Ostdeutsche Malerei 2

Nie Gesehenes oder lang Vermisstes ist neu zu entdecken: Werke von Karl-Heinz Adler, Rudolf Bergander, Wieland Förster, Hubertus Giebe, Hermann Glöckner, Peter Graf, Werner Stötzer, Strawalde, Christine Schlegel, Petra Kasten, Harald Hakenbeck, Ernst Hassebrauk, Angela Hampel, Bernhard Heisig, Peter Herrmann, Hans Jüchser, Wolfgang Mattheuer, Theodor Rosenhauer, Werner Tübke, Willy Wolff, Walter Womacka und vielen anderen mehr vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt der Kunst, die in der DDR entstand.

Ölbild des fliehenden Sisyphos, daneben ein Stein, dahinter eine Gestalt
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Klut/Estel
Wolfgang Mattheuer, Die Flucht des Sisyphos, 1972 Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 118 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister

Ostdeutsche Malerei 3

In der unmittelbaren Nachkriegszeit gingen Werke in den Bestand der Dresdner Gemäldegalerie und der Skulpturensammlung ein, die allegorisierend die Folgen des Krieges thematisierten. Auf der Suche nach einer zeitgemäßen Kunst griffen die Künstler*innen auf Ausdrucksformen der klassischen Moderne zurück oder führten diese fort. Nach der Gründung der DDR wurden diese Stilmittel bald als „formalistisch“ abgelehnt, es folgte die Verpflichtung auf den Sozialistischen Realismus. Die Bilder und Skulpturen, die in den 1960er-Jahren Einzug in die Sammlungen hielten, wurden zum Teil unter dem Zeichen des „Bitterfelder Weges“ geschaffen, der 1959 ausgerufen wurde, um Arbeiter*innen an die Kunst heranzuführen und die Trennung zwischen Kunst und Leben aufzuheben. Programmatische Bilder gelangten in das Albertinum, als beschlossen worden war, in der Gemäldegalerie Neue Meister die Abteilung „Sozialistische Gegenwartskunst“ einzurichten – die hier gesammelten Werke sollten die Idee des Sozialistischen Realismus veranschaulichen, die ideale Gesellschaft im marxistisch-leninistischen Sinne zu gestalten.

Ab den 1970er-Jahren zeigte sich in den Erwerbungen eine zunehmend größere Bandbreite an Bildmotiven und Malstilen. Landschaften und Porträts bildeten einen Schwerpunkt und auch private Alltagsszenerien kamen hinzu. Für die Skulpturensammlung brachte die im Albertinum veranstaltete Ausstellung „Junge Bildhauerkunst der DDR“ 1979 viele Neuzugänge figürlicher Plastik und Skulptur. Die Ankäufe im Verlauf der 1980er-Jahre verdeutlichen schließlich die Vielfalt von Stilen und Positionen einer jungen Künstlergeneration, die sich auf einer breiten Palette von Abstraktion bis zu einer farbintensiven, neoexpressionistischen Malerei bewegten.

Die nun gewählte Präsentationsform, welche die Werke chronologisch nach Ankaufsjahren ordnet, spiegelt so nicht nur die wechselhafte Ankaufspolitik zu DDR-Zeiten, sondern lädt auch dazu ein, die kanonbildende Macht des Museums zu hinterfragen – nicht nur zu DDR-Zeiten, sondern von den Anfängen des Museums bis heute. Kanon als Ergebnis immer auch subjektiver Kaufentscheidungen ist als zeitgebunden und damit temporär zu verstehen. So stehen am Ende der Präsentation einige Erwerbungswünsche, denn es gilt auch weiterhin, Lücken im Bestand der Kunst in der DDR zu schließen.

Anlässlich der Bestandspräsentation bietet das Museum ein breitgefächertes Begleitprogramm, das die Debatten der letzten Monate aufgreift. Drei Formate – eine wissenschaftliche Vortragsreihe, eine Gesprächsreihe und Künstlergespräche – beleuchten dabei verschiedene Aspekte der Kunst in der DDR und die Auseinandersetzung mit ihr. Sie thematisieren unter anderem die Ursachen für die heftig ausgetragene Debatte, in der es um die Präsenz dieser Kunst in deutschen Museen, aber auch um Kunstbegriffe ging, und anhand derer sich auch tiefer liegende Probleme des deutsch-deutschen Miteinanders eruptiv Ausdruck verschafften.

Auf das Auftaktgespräch zwischen Boris Buden und Thomas Oberender folgt ein Vortrag des renommierten Philosophen und Kunsttheoretikers Boris Groys:
15.6.2018, 18.30 Uhr
Boris Groys: Medium versus Botschaft. Der Kalte Krieg in der Kunst

In seinem Buch „Gesamtkunstwerk Stalin. Die gespaltene Kultur in der Sowjetunion“ formuliert Boris Groys die These, dass der russische Sozialistische Realismus die Vollendung der Ideen der Avantgarde ist. Ausgehend von diesem Ansatz wird Boris Groys über das Verhältnis des westlichen Modernismus und seinen östlichen Varianten sowie über das Verhältnis zwischen abstrakter Kunst und Sozrealismus sprechen. Boris Groys (*1947 in Berlin) ist Philosoph, Kunstkritiker und Medientheoretiker. Er lehrt Philosophie, Medientheorie und Kunstwissenschaft an der New York University.
Einlass: Albertinum, Georg-Treu-Platz, 01067 Dresden
Der Eintritt ist frei.
Die weiteren Vorträge und Gespräche können unter https://albertinum.skd.museum/wirmuessenreden eingesehen werden.

Die SKD kommunizieren über #focusalbertinum, #kunstinderddr, #albertinum und #skdmuseum auf Social Media.

Pressebilder- und -dossiers

Ausstellungsansicht mit einer Skulptur im Vordergrund
Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990 im Vordergrund: Waldemar Grzimek, Bertolt Brecht, 1958
© SKD, Foto: Martin Förster
Ausstellungsansicht
Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990 © SKD, Foto: Martin Förster
Ausstellungsansichten mit drei Gemälden vor einer blauen Wand
Ostdeutsche Malerei und Skulptur 1949–1990 Theodor Rosenhauer, Der alte Bienenvater, 1958; Kind auf gelbem Stuhl, 1948; Dimitroffbrücke, 1951
© SKD, Foto: Martin Förster
Ölbild des fliehenden Sisyphos, daneben ein Stein, dahinter eine Gestalt
Wolfgang Mattheuer, Die Flucht des Sisyphos, 1972 Öl auf Hartfaserplatte, 96 x 118 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Klut/Estel
Ölbild eines Jungen vor Bäumen und Tieren
Harald Hakenbeck, Peter im Tierpark, 1960 Öl auf Leinwand, 66 x 46 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland
© SKD, Foto: Elke Estel
Ölbild eines Kindes, das auf einem gelben Stuhl sitzt
Theodor Rosenhauer, Kind auf gelbem Stuhl, 1948 Öl auf Leinwand, 115 x 67,5 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Klut/Estel
Ölbild mit sechs liegenden Personen und einer sitzenden Person in schwarzer Kleidung
Werner Tübke, Requiem, 1965 Öl auf Leinwand auf Sperrholz, 50 cm x 66 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Klut/Estel
Bronzeskulptur, die Bertolt Brecht darstellt
Waldemar Grzimek, Bertolt Brecht, 1958 Bronze, 68 x 24 x 32 cm, Albertinum/Skulpturensammlung
© SKD, Foto: Klut/Estel
Skulptur aus schwarzen und weißen stachelförmigen Hölzern
Willy Wolff, Igel, 1969 Holz, schwarz und weiß bemalt, 34 x 42 x 42 cm, Albertinum/Skulpturensammlung
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Jürgen Karpinksi
Bild mit nackten Gestalten in Rot, Gelb und Blau
Angela Hampel, Penthesilea, 1987/88 © SKD, Foto: Jürgen Karpinski
Ölbild eines rauchenden Schachspielers hinter einem Schachbrett
Willi Neubert, Schachspieler, 1964 Öl auf Hartfaserplatte, 145 x 119 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© SKD
Ölbild eines Raumes mit Spiegeln
Stefan Plenkers, Spiegelbilder, 1984 Öl auf Leinwand, 150 x 185 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© SKD
Ölbild eines Großgrundbesitzers mit einem weißen Hund, im Vordergrund Marionetten, im Hintergrund eines sizilianische Landschaft
Werner Tübke, Sizilianischer Großgrundbesitzer mit Marionetten, 1972 Öl auf Holz, 79,9 x 170,1 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: Klut
Ölbild von fünf Personen, die an einem Tisch sitzen und die Zeitung Neues Deutschland vor sich haben
Rudolf Bergander, Hausfriedenskomitee, 1952 Öl auf Leinwand; 130 x 170 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© VG Bild-Kunst, Bonn 2018; Foto: Estel/Klut
Bronzeskulptur mit menschlichen Attributen
Wieland Förster, Penthesilea Gruppe IV, 1987 Bronze, H: 84 cm, B: 45 cm, T: 23 cm, Albertinum/Skulpturensammlung
© SKD, Foto: Estel/Klut
Dreiecke in Rot, Gelb und Blau
Hermann Glöckner, Dreieckige Erhebungen in Rotbraun, Blau und Ocker vor Gelb, um 1967 Mischtechnik auf Hartfaserplatte auf Holzrahmen, 49 x 70 cm, Albertinum/Galerie Neue Meister
© SKD
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