Käthe Kollwitz und Marlene Dumas: Drei Ausstellungen in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

11. Oktober 2017

Käthe Kollwitz in Dresden

Zu Ehren einer der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts widmet sich das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in seiner großen Herbstausstellung dem Werk von Käthe Kollwitz (1867–1945). Anlässlich ihres 150. Geburtstages werden rund 70 grafische Meisterwerke aus den eigenen Beständen präsentiert. Ergänzt um Werke von Max Klinger, Eugène Carrière, Edvard Munch und Ernst Barlach sowie ausgewählte Leihgaben aus dem Käthe Kollwitz Museum Köln, dem Kupferstichkabinett Berlin und der Akademie der Künste, Berlin zeichnet die Ausstellung ein umfassendes Bild ihres Frühwerks. 

  • Laufzeit 19.10.2017—14.01.2018
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr , Dienstag  geschlossen

Käthe Kollwitz in Dresden

Kollwitzʼ Schaffen steht exemplarisch für die experimentelle Erprobung neuer grafischer Ausdrucksmittel um 1900. Angesichts der Qualität und besonderen Korrelation von künstlerischem und inhaltlichem Anliegen ragt ihr Werk innerhalb dieser Entwicklung als Solitär heraus.

Das Kupferstich-Kabinett beherbergt mit 252 Druckgrafiken, vier Mappenwerken und 21 Zeichnungen eine der weltweit bedeutendsten öffentlichen Sammlungen von Werken Käthe Kollwitzʼ. Unter der Leitung von Max Lehrs (1855–1938) hatte das Haus seit 1898 als erstes öffentliches Museum die Arbeit der Künstlerin durch eine systematische Ankaufstätigkeit nachdrücklich gefördert. Neben den Erwerbungen zeugt der rege überlieferte Briefwechsel von der enormen Wertschätzung, die Kollwitz in Dresden und namentlich durch Lehrs erfuhr. Die Bedeutung, die er ihrem Werk beimaß, wird insbesondere im Kontext der international ausgerichteten Sammeltätigkeit des Kupferstich-Kabinetts um 1900 deutlich, die Künstler wie Henri de Toulouse-Lautrec oder Edvard Munch umfasste.

Die Ausstellung zeichnet die Entstehung der ersten Kollwitz-Sammlung an einem Museum nach und präsentiert die Künstlerin als eines der „stärksten Talente auf dem Gebiete der graphischen Künste“ (Max Lehrs). Radierungen, Lithografien und Holzschnitte sowie zahlreiche Zeichnungen aus allen Schaffensphasen geben Einblick in ihr vielschichtiges, einer humanistischen Grundhaltung verpflichtetes Werk. Neben die großen Themen wie Tod und Krieg, Mutterschaft und Liebe trat bei Kollwitz immer wieder das Selbstporträt, in dem sie sich zeitlebens mit ihrer Rolle als Künstlerin, Frau und Mutter auseinandersetzte. 

Zur Ausstellung erscheint der Katalog „Käthe Kollwitz in Dresden“ bei Paul Holberton Publishing, London, mit 176 Seiten und 137 Farbabbildungen. Beiträge von Agnes Matthias, Petra Kuhlmann-Hodick, Alexandra von dem Knesebeck und Hannelore Fischer. Deutsche Ausgabe / englische Ausgabe: 35 €/£30, Museumsausgabe: 20 €; ISBN:978-1-911300-30-4.

Die Ausstellung wird kuratiert von Petra Kuhlmann-Hodick und Agnes Matthias.

Marlene Dumas. Hope and Fear

Parallel zu „Käthe Kollwitz in Dresden“ zeigt das Kupferstich-Kabinett unter dem Titel „Hope and Fear“ drei bedeutende Tusch- und Aquarellserien der zeitgenössischen Künstlerin Marlene Dumas (*1953 in Kapstadt). Die Bilder von Köpfen stellen Identitätsfragen zwischen Einzelporträt und Ideal, Täter und Opfer, Zugehörigkeit und Ausgeschlossenheit. 

  • Laufzeit 19.10.2017—14.01.2018
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr , Dienstag  geschlossen

Skulls

Die von Dumas dargestellten Extreme menschlicher Existenz entziehen sich einer eindeutigen Lesbarkeit. Damit entlarvt die Künstlerin die Willkür von Kategorien und Konventionen als Machtmittel der Diskriminierung, was auf ihre eigenen Erfahrungen während der Apartheid in Südafrika zurückgeht.

Die unmittelbare Nachbarschaft von Dumas und Kollwitz im Kupferstich-Kabinett ermöglicht, beide auf die Grundfragen menschlicher Existenz zielender künstlerischer Ansätze über die Zeiten hinweg vergleichen zu können.

Die Ausstellung wird kuratiert von Björn Egging.

Marlene Dumas. Skulls

Anlässlich der Gestaltung des Altarbilds in der Annenkirche in Dresden zeigt das Albertinum 36 Werke aus Marlene Dumas‘ Serie „Skulls“. Diese ist wie viele ihrer Reihen konzeptuell angelegt, indem sich die Wirkung erst in der Summe der variierenden Einzelbilder entfaltet. Als an der Conditio humana interessierte Malerin ist für Dumas das Motiv des Schädels grundlegend. 

  • Laufzeit 19.10.2017—14.01.2018
  • Öffnungszeiten täglich 10—18 Uhr , Montag  geschlossen

    Öffnungszeiten an den Feiertagen
    24.12.2017: geschlossen
    25. & 26.12.2017: 10-18 Uhr geöffnet
    31.12.2017: 10-18 Uhr geöffnet
    1.1.2018: 12-18 Uhr geöffnet



Skulls

Die Hängung als Fries regt an, sich den Schädeln einzeln zu nähern, sie in ihrer Individualität zu betrachten und schließlich die Universalität zu erkennen, die jeden Menschen existentiell betrifft. Gleichfalls im Albertinum werden Arbeiten von Jan Andriesse und Bert Boogaard gezeigt, die gemeinsam mit Dumas das Altarbild in der Annenkirche gestaltet haben. Die Präsentation erlaubt einen Einblick in das individuelle Schaffen beider Künstler.

Die Ausstellung wird kuratiert von Kathleen Reinhardt und Holger Birkholz.

Am Donnerstag, den 19. Oktober, um 18.30 Uhr, findet ein Gespräch mit der Künstlerin Marlene Dumas im Lichthof des Albertinum statt. Hier wird das Buch „Marlene Dumas: Ein Altarbild für die Annenkirche in Dresden“ vorgestellt, das im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln erschienen ist.

Pressebilder- und -dossiers

Selbstportrait von Käthe Kollwitz
Käthe Kollwitz, Selbstbildnis nach halbrechts, um 1890 Feder und Pinsel in Schwarz, auf Zeichenpapier, 233 x 166 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Selbstportrait von Käthe Kollwitz
Käthe Kollwitz, Selbstbildnis en face, 1911 Schwarze Kreide, mit violetter und grauer Kreide gehöht, auf grau-braunem Tonpapier, 359 x 308 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Zwei Kinder an einem Tisch
Käthe Kollwitz, Unter der Tischlampe, 1894 Feder in Schwarz, Pinsel in Grau, weiße Kreide, über Bleistift, auf Velinpapier (Whatman Paper), 247 x 330 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Raum mit Webstuhl, vorne Tote und eine trauernde Person, zur Tür wird jemand lebloses hineingetragen
Käthe Kollwitz, Ende (Vorzeichnung zur Radierung „Ende“ als Blatt 6 des Zyklus „Ein Weberaufstand“), 1897 Bleistift, Pinsel und Feder in Schwarz und Braun, weiß gehöht, auf dickem Zeichenpapier, 409 x 492 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Die Carmagnole, 1901 Strichätzung, Kaltnadel, Aquatinta bzw. Pinselätzung und Schmirgel in Braun, auf rotbraunem Tonpapier, 588 x 412 mm (Darstellung), 619 x 444 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Frau mit totem Kind, 1903 Strichätzung, Kaltnadel, Schmirgel sowie Vernis mou mit Durchdruck von geripptem Bütten und Zieglerschem Umdruckpapier in Braun, auf grünlich grauem Chinapapier, aufgewalzt auf Kupferdruckpapier, 424 x 486 mm (Darstellung), 536 x 635 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Weiblicher Rückenakt auf grünem Tuch, 1903 Lithographie (Kreide und Pinsel), in zwei Farben, Zeichenstein in Braun, Tonstein in Grün, mit Schabnadel im Zeichenstein, auf festem braunem Tonpapier, 580 x 440 mm (Darstellung), 610 x 463 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Kleines Selbstbildnis, 1920 Kreidelithographie (Umdruck von einer Zeichnung auf Kupferdruckpapier), auf hauchdünnem Japanbütten, 233 x 208 mm (Darstellung), 301 x 267 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Die Mütter (Blatt 6 der Folge "Krieg"), 1921 bis spätestens 1922 Holzschnitt, auf dickem, weichem, rauem Japanpapier, 340 x 400 mm (Darstellung), 680 x 550 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Käthe Kollwitz, Frau mit Orange, 1901 Kombinierter Druck von einer grauschwarz eingefärbten Kupferplatte und einem orange eingefärbten Lithostein unter Verwendung einer rosa eingefärbten Tonplatte (mit einer angeschliffenen Aquatinta), auf cremefarbenem Papier, aufgelegt auf grauviolettem, geripptem Büttenkarton; Darstellung beschnitten, 231 x 112 mm (Darstellung, Plattenränder nicht erkennbar); 365 × 270 mm (Blatt), Kupferstich-Kabinett
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Collage aus verschiedenen, gemalten Totenköpfen
Marlene Dumas, Skulls, 2011-2015 Oil on canvas
© Marlene Dumas, Courtesy the artist and David Zwirner, New York
Bert Boogaard, 6-pack traffic-lights, 2011 acrylic on iridescent acrylic on cotton, 24 X 18 cm
© private collection
Bert Boogaard, Crash Test, 2012 mica and acrylic on canvas, 50 X 40 cm,
© courtesy andriesse eyck galerie, Photo: Peter Cox
Bert Boogaard, Zon en kralen, 2011 Mica paint on canvas, beads, 40 x 30 cm
© collection Jo en Marlies Eyck, photo: Peter Cox
Jan Andriesse, Squaring the circle; 2016 19,5 x 19,5 cm
© courtesy kepler, Foto Peter Cox
Frauenportrait, Tuschezeichnung auf Papier
Marlene Dumas, Rejects, seit 1994 fortlaufende Serie lavierte Tusche und Mischtechnik auf Papier
© Marlene Dumas, Repro: Peter Cox, Eindhoven
Tuschezeichnung vom Kopf eines Mannes
Marlene Dumas, Jesus Grizzly, 1994 Tusche und Acryl auf Papier, 1 von 8 Zeichnungen, De Pont Museum Tilburg, Niederlande, Dauerleihgabe
© Marlene Dumas, Repro: Peter Cox, Eindhoven
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