Einladung zum Pressegespräch „Sieben Sünden. Kunst zwischen Versuchung und Widerstand“

12. Juni 2026

Sieben Sünden

Was hat der Begriff der Sünde mit unserer modernen Lebenswirklichkeit zu tun? Wie bewerten wir bewusste, gesellschaftsrelevante Fehltritte? Diesen Fragen widmet sich die aktuelle Ausstellung, die von drei wissenschaftlichen Volontärinnen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) im Rahmen ihrer Ausbildung als Gäste des Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona (ADA) kuratiert wurde. Isabella Bornberg, Julia Hosp und Rebecca Schmidt stellen die sieben Todsünden vor. Ursprünglich innerhalb des christlichen Glaubens überliefert, werden diese nun in einer kritischen Auseinandersetzung mit der Gegenwart interpretiert. 

Als Teil religiöser Wertvorstellungen bezeichneten Hochmut, Habgier, Wollust, Neid, Völlerei, Zorn und Trägheit über Jahrhunderte hinweg die bewusste Abkehr von der christlichen Ordnung und galten als schwerwiegende Verfehlungen. Mit dem Wandel der Rolle von Religion im 20. und 21. Jahrhundert veränderten sich diese Begriffe in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung. Heute erscheinen sie weniger als klar benennbare Sünden, sondern vielmehr als Beweggründe und Facetten menschlichen Handelns. Die in dieser Ausstellung versammelten künstlerischen Positionen stellen uns daher die Frage, ob wir diesen „zeitgenössischen Sünden“ widerstehen oder uns von ihnen verführen lassen wollen.

So gewinnen politische Bewegungen ihre Antriebskraft oft aus der Wut gegenüber gesellschaftlichen Missständen. Und ist nicht Neid der eigentliche Motor des permanenten Konkurrenzkampfs der Selbstdarstellung im Internet?

Die multimediale, sammlungsübergreifende Ausstellung präsentiert eine Auswahl von Kupferstichen, Fotografien, Skulpturen und Filmen. Die Bandbreite reicht von Pieter van der Heyden über Otto Dix bis hin zu zeitgenössischen Werken von Claes Oldenburg, Christian Jankowski, Jen DeNike, Daniel Spoerri oder Colette Lumiere. 

Im Vorfeld der Ausstellung haben die Volontärinnen mit Dresdner Initiativen, darunter „Omas gegen Rechts“, dem Philosophier-Café des Stadtteilvereins Johannstadt e.V., und Schülerinnen und Schülern des Vitzthum-Gymnasiums, über die jeweiligen Sündenbegriffe, ihre heutige Bedeutung und Relevanz gesprochen. Deutlich wurde dabei, wie stark – im positiven wie auch negativen Sinne – Momente der Grenzüberschreitung im Alltag, in der Politik oder auf individuell empfundener Ebene mit den Begriffen Stolz, Gier, Lust, Neid, Völlerei, Wut und Trägheit verknüpft sind. Daraus sind acht Audiocollagen entstanden, die Stimmen aus unterschiedlichen Erfahrungen, Generationen und Standpunkten wiedergeben.  

Abwechslungsreich ist das Rahmenprogramm: In der Dresdner Videothek Filmgalerie Phase IV gibt es ein Themenregal, das sich der Filmgeschichte des Bösen widmet. Während der Ausstellungszeit finden dort außerdem Filmscreenings mit anschließender Diskussion statt. In Führungen und Tiny Desk Lectures werden die Sünden aus unterschiedlichen Bereichen der Film- und Kunstgeschichte beleuchtet. 

Außerdem wurden zu den „Sieben Sünden“ eigene Cocktails kreiert, die am Abend der Eröffnung in der Bar des ADA genossen werden können. Am Donnerstag, den 18. Juni ist das ADA im Rahmen der Langen Nacht des Barockviertels bis 24 Uhr geöffnet. 

Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Bin ich schön? Eitelkeit zählt zu den Hauptsünden und begegnet uns heute täglich, etwa in den sozialen Medien. Ist es eitel, den eigenen Selbstwert über Äußerlichkeiten und im Spiegel der anderen zu suchen? Kunst macht sichtbar, was Menschen bewegt und manchmal auch fehlleitet, und das über Jahrhunderte hinweg. Diesem Spannungsfeld widmet sich der diesjährige Jahrgang unseres wissenschaftlichen Nachwuchses – ihre Ausbildung hat an den SKD einen hohen Stellenwert. Das große Interesse und die Bewerbungszahlen zeigen, wie attraktiv dieses Programm ist. In der zweijährigen Ausbildungszeit werden sie eng begleitet von Direktorinnen und Direktoren und sammeln in den verschiedenen Museen wichtige Praxiserfahrungen. Mit ihrer Ausstellung „Sieben Sünden. Kunst zwischen Versuchung und Widerstand“ präsentieren die Volontärinnen die Ergebnisse ihrer kuratorischen Arbeit.“

Rudolf Fischer, Leiter Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona: „Die Ausstellung „Sieben Sünden. Kunst zwischen Versuchung und Widerstand“ holt über 70 Werke und Archivalien aus vier verschiedenen Sammlungen der SKD und Privatsammlungen zusammen und präsentiert sie vereint im Blockhaus. Die Volontärinnen nutzten dabei die ADA-spezifische Arbeitsweise, Kunstwerke gemeinsam mit Archivmaterial zu ergründen. Mit dieser Methodik können sie in „Sieben Sünden“ gesellschaftliche Fragen ins Heute holen und neu diskutieren. Was gestern noch Sünde war, ist heute vielfach Alltagsgeschäft. Sie gehen dabei der Frage nach, wie sich der Begriff der „Sünde“ in der gegenwärtigen Zeit gewandelt hat und was dieser heute für uns bedeutet.“

Pressebilder und -dossiers

ein Mann vor einem Gemüsefach mit Pfeil und Bogen
Christian Jankowski, Die Jagd, 1992/1997 © Courtesy of the artist and Julia Stoschek Collection
Frau liegt in einem Bett, vorne eine Champagnerflasche
Colette a.k.a. Colette Lumiere: “‘Ancora tu’ – living in a space for six days with all my personal belongings”, Internationaler Kunstmarkt Köln, 1977 © Colette, Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Caterina Micksch
zwei rangelnde Personen auf einer Wiese
Jen DeNike, Wrestling, 2002 Videostill
© Courtesy of the artist and Julia Stoschek Collection
goldenes Schild im rechten Winkel an einer Ecke montiert
Gretchen Faust, The St. Matthew Series, 1989/90 Installationsansicht Sammlung Hoffmann
© Sammlung Hoffmann, Berlin
Tischansicht mit einem Hummer auf einem Teller
Marie Lynn Speckert, LOBSTER, 2014–2022 Videostill
© Marie Lynn Speckert
Plattenbau mit Straßenlaterne
Stau - Jetzt geht's los; Deutschland 1992; Regie: Thomas Heise Videostill
© öFilm Dörr & Schlösser
kleinteilige Abbildung von Personen, die sich im Spiegel anschauen u.a.
Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel d. Ä., Superbia (Der Hochmut), 1558 © Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
kleinteilige Abbildungen von menschenähnlichen Figuren, die zügellos essen und trinken
Pieter van der Heyden nach Pieter Bruegel d. Ä., Gula (Die Völlerei), 1558 © Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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