Meisterwerk von Frans Francken II. wieder in Besitz der Gemäldegalerie Alte Meister
09. Juni 2026Meisterwerk von Frans Francken II. wieder in Besitz der Gemäldegalerie Alte Meister
Dank der großzügigen Unterstützung der Fontana Stiftung Baden-Baden und der Ernst von Siemens Kunststiftung ist es gelungen, ein bedeutendes Gemälde des flämischen Kabinettbildmalers Frans Francken II. für die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zurückzuerwerben. Die „Allegorie der Folgen des Krieges“, entstanden um 1615, wurde beim Kölner Auktionshaus VAN HAM angeboten und konnte dort kürzlich ersteigert werden. Die Rückkehr des Holztafelbildes in das Museum kann als Glücksfall bezeichnet werden, handelt es sich doch um ein Hauptwerk Frans Franckens II., das die kleine Werkgruppe der Künstlerfamilie Francken in der Sammlung maßgeblich bereichert. Nach einer Untersuchung in der Werkstatt für Gemälderestaurierung soll das Bild im Semperbau ausgestellt werden.
Vor rund 300 Jahren hat August der Starke das Gemälde für seine Sammlung erworben. Die erste Erwähnung findet sich im Inventar von 1722–1728. Infolge der sogenannten Fürstenabfindung gelangte das Kunstwerk 1924 in Privatbesitz und tauchte, nachdem es etwa ein Jahrhundert lang verschollen war, erst in diesem Jahr wieder auf.
Frans Francken II. (Antwerpen 1581–1642) stand seit 1605 an der Spitze einer Malerdynastie, die in einer Zeitspanne von mehr als 100 Jahren und in fünf Generationen die Malerei Antwerpens entscheidend mitprägte. Franckens Schaffen ist durch eine große thematische Vielseitigkeit und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen Malern charakterisiert. Neben biblischen wie mythologischen Historienbildern, Stillleben und Darstellungen von Kunstkammern nehmen allegorische Bilder einen kleinen, aber bedeutenden Teil seines Œuvres ein.
Das für Dresden zurückgewonnene Gemälde zeigt eine karge Landschaft mit einer Vielzahl allegorischer Gestalten, die für verschiedene Tugenden und Laster stehen. Sie sind auf die zentrale Figur eines Kriegers hin ausgerichtet. Die Kriegsgötter Mars und Bellona rüsten diesen Krieger mit den Insignien des Soldaten aus. Drei weibliche Tugenden werden von ihm missachtet, während sich auch Apoll und die Personifikation der Hoffnung von ihm abwenden. Links im Vordergrund steht Frau Welt symbolisch für Falschheit und Betrug, begleitet von einigen der sieben Todsünden. Kleine Szenen im Hintergrund verweisen auf die realen Schrecken des Krieges. Eine Dreiergruppe rechts im Vordergrund scheint die grausame Szenerie warnend zu kommentieren.
Entstanden vor dem historischen Hintergrund des Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) zwischen den Niederlanden und Spanien trägt das Gemälde eine starke Mahnung in sich, nämlich die verheerenden Folgen von Kriegen zu bedenken.
Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung: „Die Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützt bedeutende deutsche Museen in dem Bemühen, ihr jeweiliges Profil durch hochkarätige Erwerbungen zu schärfen. Sehr gerne engagiert sie sich dabei im Schulterschluss mit anderen Stiftungen. Der Rückkauf des Kabinettbildes von Frans Francken für die Dresdner Gemäldegalerie, der zusammen mit der Fontana Stiftung gelang, ist daher ein besonders erfreuliches Ereignis. Für lange Zeit der Öffentlichkeit entzogen, wird dieses vielschichtige Gemälde nun dem interessierten Publikum und der internationalen Forschung zur Verfügung stehen.“
Prof. Dr. Stephan Scherer, Vorstand der Fontana Stiftung Baden-Baden: „Eines der Ziele der Fontana Stiftung ist es, Museen mit einem bedeutenden Bestand altmeisterlicher Malerei zu fördern. Werke Alter Meister sind nicht nur eine Quelle der Schönheit und Fenster in die Geschichte, sondern können auch zu Diskursen von hoher Aktualität anregen. Dafür ist Frans Franckens „Allegorie der Folgen des Krieges“ ein gutes Beispiel. Ich freue mich, dass wir zum Erwerb dieses außergewöhnlichen Bildes für die berühmte Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden beitragen konnten.“
Dr. Bernd Ebert, Generaldirektor der SKD: „Die Bestände der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zählen nicht allein zu den bedeutendsten, sondern auch zu den ältesten. Neben der Vermittlung des einzelnen Kunstwerkes gehört es daher zu unseren grundlegenden Aufgaben, die Sammlungsgeschichte und Erwerbungspolitik über die Jahrhunderte anschaulich zu machen. Mit der Rückerwerbung dieses Kleinods aus der einstigen Sammlung August des Starken haben wir ein weiteres Puzzlestück der Sammlungsgeschichte gefunden, das so bedeutend ist, dass es einen festen Platz im Kanon der Galerie bekommen wird. Ermöglicht wurde dieser Kauf im Schulterschluss der Fontana Stiftung und der Ernst von Siemens Kunststiftung – was für ein großer Gewinn! Für diese partnerschaftliche Unterstützung sind wir außerordentlich dankbar.“
Prof. Dr. Holger Jacob-Friesen, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister, SKD: „Über zweihundert Jahre lang befand sich Frans Franckens „Allegorie der Folgen des Krieges“ in der Dresdner Sammlung. Dann kam es durch die Folgen eines Krieges – nämlich des Ersten Weltkriegs – in private Hände. Dass es nun, nach etwas über hundert Jahren, in den Kontext der Gemäldegalerie Alte Meister zurückkehrt, ist ein wahrer Glücksfall. Durch sein Motiv und seine wechselvolle Geschichte bietet es den Anlass, über die Schrecken und Langzeitfolgen von Kriegen nachzudenken. Dabei ist der Wunsch nach Frieden dem Bild deutlich eingeschrieben.“