Kriegsverlust wieder in Dresden – nach über 80 Jahren kehrt Cranach-Gemälde zurück in den Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

26. März 2026

Ein seit dem Ende

Ein seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschollenes Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553) und seiner Werkstatt ist in die Gemäldegalerie Alte Meister zurückgekehrt. Das kleinformatige Porträt zeigt Kurfürst Friedrich den Weisen. Es befand sich in französischem Privatbesitz. Als es im Auktionshaus Artcurial auf seine Provenienz überprüft wurde, stellte sich heraus, dass es einst den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) gehört hatte. Dank den Besitzern, der Familie Dreyfus aus Paris, und der Unterstützung von MUSEIS SAXONICIS USUI – Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e.V. konnte das Werk für die Gemäldegalerie Alte Meister zurückgewonnen werden. Ab sofort und noch bis zum 26. Juli 2026 ist es in der aktuellen Sonderausstellung „‚Es ist nicht Alles Gold das da gleist‘. Friedrich der Weise“ im Münzkabinett im Residenzschloss zu sehen. Nach der Präsentation wird das Werk dauerhaft in der Sempergalerie im Zwinger gezeigt.

Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Friedrich III. (genannt der Weise) im Jahr 1525 wuchs die Nachfrage nach Bildnissen jenes Mannes, der lange seine schützende Hand über Martin Luther gehalten hatte. Lucas Cranach d. Ä., Hofmaler Friedrich III. und Freund Luthers, führte alle kurfürstlichen Aufträge sowie Bildnisse großer Reformatoren aus. In seiner Werkstatt stieg ab 1530 die Produktion an in Serie hergestellten Friedrich-Porträts sprunghaft an, von denen sich bis heute rund 25 Exemplare erhalten haben.

Das nur postkartengroße Bildnis Friedrichs des Weisen ist erstmals im Galerie-Inventar 1722–28 unter der Nummer „1355“ aufgeführt; als Standort wird die Kirche im Residenzschloss genannt. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde es mutmaßlich verkauft, kam jedoch 1857 aus der Sammlung Moritz Steinla zurück in die Gemäldegalerie. Während des Zweiten Weltkrieges erfolgte die Auslagerung der Dresdner Gemäldesammlung. Das Porträt Friedrichs des Weisen wurde 1940 zunächst auf die Albrechtsburg Meißen transportiert; zuletzt dokumentiert ist es im Mai 1945 im Kalksteinbruch von Pockau-Lengefeld, einem Auslagerungsort zahlreicher Werke aus den Dresdner Museen. Danach verliert sich seine Spur.

Knapp 80 Jahre galt die kleine Holztafel als Kriegsverlust, bis die Gemäldegalerie Alte Meister im November 2024 einen entscheidenden Hinweis von Prof. Dr. Gunnar Heydenreich vom Cranach Digital Archive (cda) erhielt. Das Gemälde war dem Pariser Auktionshaus Artcurial aus französischem Privatbesitz zur Begutachtung übergeben worden. Die eindeutige Identifizierung als Dresdner Eigentum erfolgte unter anderem anhand der auf der Vorderseite unten rechts aufgebrachten Inventarnummer aus dem 18. Jahrhundert. Nach längeren Verhandlungen konnte eine finanzielle Einigung zur Rückkehr des Werkes erzielt werden. Die Familie Dreyfus übergab das Gemälde in Gedenken an Liliane Skop-Dreyfus (1929–2024), die es gutgläubig erworben hatte.

Unter den über 500 Kriegsverlusten der Dresdner Gemäldegalerie befinden sich 18 Werke aus der Cranach-Werkstatt, von denen bis heute sieben zurückgekehrt sind.

 

Bernd Ebert, Generaldirektor der SKD: „Mein großer Dank gilt der Familie Dreyfus, die sich dazu entschlossen hat, dieses wertvolle und bedeutende Werk an die Dresdner Gemäldegalerie zurückzugeben. Das generöse Entgegenkommen der Familie ist eine Ermutigung für uns, die Suche nach Kunstwerken fortzusetzen, die seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst werden. Mögen auch andere dem Beispiel der Familie Dreyfus folgen, die Rückkehr solcher Werke nach Dresden zu ermöglichen.“

 

Holger Jacob-Friesen, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung bis 1800: „Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise ist von großer Bedeutung für die sächsische und deutsche Geschichte. Er war auch der Auftraggeber wichtiger Werke, die sich heute in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister befinden, der weltweit größten Cranach-Sammlung. Das kleine Porträt wurde hier schmerzlich vermisst. Was für ein Glücksfall, dass es nun in die Sammlung zurückkehrt!“

 

Sylvia Karges, Direktorin des Münzkabinetts: „Dass das zurückgekehrte Cranach-Gemälde nun im Rahmen unserer laufenden Sonderausstellung zum 500. Todesjahr Friedrich des Weisen erstmals wieder in Dresden gezeigt werden kann, ist eine wunderbare Fügung. Die Schau im Münzkabinett bietet den passenden Ort, um den ernestinischen Kurfürsten kennenzulernen, der übrigens als erster Sachse sein Konterfei auf eine Münze brachte.“

 

Petra von Crailsheim, Vorstandsvorsitzende MUSEIS SAXONICIS USUI – Freunde der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden e. V.: „Die Rückführung dieses kleinen, aber bedeutenden Cranach-Gemäldes zeigt eindrucksvoll, was wir gemeinsam bewegen können. Möglich wurde sie durch die Begeisterung und Spenden zahlreicher Freunde unseres über 2.500 Mitglieder starken Vereins – ein lebendiges Zeichen bürgerschaftlichen Engagements.“

Pressebilder und -dossiers

Portrait eines Mannes mit Mütze und Mantel vor hellblauem Hintergrund
Lucas Cranach der Ältere (1472–1553) und Werkstatt, Kurfürst Friedrich der Weise, 1533 © Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
* Pflichtfeld

Wir verwenden Cookies

Ihre Zustimmung können Sie jederzeit widerrufen.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen vor allem Cookies, die für den Betrieb der Seite notwendig sind.

Klicken Sie auf „Alle akzeptieren“, um alle Cookies zu akzeptieren. Sie können Ihr Einverständnis jederzeit ändern und widerrufen. Dafür steht Ihnen am Ende der Seite die Schaltfläche "Cookie-Einstellungen" ändern zur Verfügung. Funktionale Cookies werden auch ohne Ihr Einverständnis weiterhin ausgeführt.

Möchten Sie die verwendeten Cookies anpassen, erreichen Sie die Einstellungen über die Schaltfläche "Auswählen".

Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen oder dem Impressum.

Zum Seitenanfang