Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner/Albrecht Dürer
12. Mai 2026Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner/Albrecht Dürer
Die Gemäldegalerie Alte Meister widmet Sławomir Elsner eine konzentrierte Werkschau mit dem Titel „Im Angesicht des Menschen – Sławomir Elsner/Albrecht Dürer“ (23. Mai bis 30. August 2026). Im Semper-Kabinett sind acht neue Arbeiten zu sehen, die in einem Zeitraum von mehreren Monaten entstanden sind und sich auf Albrecht Dürer (1471–1528), den bedeutendsten Künstler der deutschen Renaissance, beziehen.
Der 1976 in Polen geborene, heute in Berlin arbeitende Elsner nimmt häufig auf Werke der Kunstgeschichte Bezug, die er in Zeichnungen überführt. Diese sind gleich groß wie das Original und durch feinste Buntstiftschraffuren charakterisiert. Die sich überlagernden, akkurat gezogenen Linien erzeugen flirrende Farbballungen, die Leichtigkeit und zugleich leuchtende Tiefe besitzen. Aus der Nähe betrachtet wirken sie abstrakt, erst aus der Distanz erkennt man Formen und Figuren.
Im Zentrum der Präsentation steht Dürers frühes Werk „Die Sieben Schmerzen der Maria“ (1495/96) der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister. Dabei handelt es sich um sieben u-förmig angeordnete Tafeln, deren Mitte ursprünglich die Figur der trauernden Maria einnahm. Diese heute in der Alten Pinakothek München bewahrte Schmerzensmutter hat Elsner zeichnerisch nachempfunden und ergänzt damit das fragmentarische Dresdner Werk. Anders als bei einer Rekonstruktion ergibt sich aus dem Nebeneinander von Dürers Tafeln und Elsners Zeichnung eine reiz- und spannungsvolle Beziehung. Elsners Kolorit hebt sich bewusst von den tonigen Farben Dürers ab. Seine Maria hat einen helleren, fast strahlenden Ton. Außerdem ist sie in eine Art Schwebezustand versetzt und überwindet sinnbildlich damit das irdische Leid.
Andere in der Ausstellung zu sehende Zeichnungen Elsners beziehen sich auf Dürers großformatige Bildtafeln „Adam“ und „Eva“, die sich heute im Prado in Madrid befinden, auf die „Betende Maria“ in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin sowie die berühmten Selbstbildnisse Dürers im Louvre in Paris, im Prado in Madrid und in der Alten Pinakothek München. Elsners Aufmerksamkeit gilt dabei dem Menschen im Moment der Erkenntnis und der Erfahrung des Schmerzes. Seine Bilder bewegen sich, Dürers Impulse aufgreifend, im Spannungsfeld zwischen Schuld und Leiden, Körper und Geist, Wissen und dem Hoffen auf Erlösung. In ihrer Erscheinungsweise setzen sie sich klar vom Renaissancemeister ab. Die Linien umreißen keine Formen, sondern erzeugen durch ihre Vielzahl farbliche Klänge. Sie verweigern Details, lassen die Motive nur andeutungsweise auftauchen und wieder verschwinden. Sławomir Elsners gezeichnete Gemälde wirken unscharf und schärfen gerade dadurch den Blick.
Kunstgespräche
Donnerstag, 18. 6. 2026, 15.30 Uhr, mit Roland Enke
Dienstag, 14. 7. 2026, 15.30 Uhr, mit Roland Enke
Sonnabend, 22. 8. 2026, 11 Uhr, Dialog: Holger Jacob-Friesen mit Sławomir Elsner