"Geister und Geistlichkeit – Medizin und Herrnhuter Mission in Nicaragua“ Völkerkundemuseum Herrnhut gibt neue Einblicke in seine Sammlungen
26. Juni 2026„Geister und Geistlichkeit – Medizin und Herrnhuter Mission in Nicaragua“ Völkerkundemuseum Herrnhut gibt neue Einblicke in seine Sammlungen
Eine Arzttasche, ein „Blitzei“ und eine „Kometenbombe“ gehören zu den rund 40 Objekten einer Präsentation im Herrnhuter Völkerkundemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). „Geister und Geistlichkeit – Medizin und Herrnhuter Mission in Nicaragua“ nimmt ab dem 3. Juli 2026 das Publikum mit in die faszinierende Welt der Miskitoküste, der Ostprovinzen an der Karibikküste Nicaraguas. Naturheilmittel, Hausmodelle und Rindenbast erzählen von konkurrierenden und zugleich miteinander verflochtenen Vorstellungen von Krankenpflege, Hygiene, Tod, Seele und übernatürlichen Kräften. Die Präsentation zeigt, wie Missionare und traditionelle Heiler über Generationen hinweg ihre jeweiligen Heilungs- und Glaubenskonzepte verhandelten – und wie daraus neue kulturelle Praktiken entstanden.
Als die Herrnhuter Brüdergemeine Mitte des 19. Jahrhunderts ihr weltweites Missionsnetzwerk bis an die Miskitoküste Nicaraguas ausdehnte, trafen unterschiedliche Vorstellungen von Gesundheit, Spiritualität und Gemeinschaft aufeinander. Missionare gründeten Schulen und medizinische Einrichtungen, während traditionelle Heiler weiterhin eine zentrale Rolle im Leben der indigenen Gemeinschaften der Miskito, Mayangna und Rama spielten. Aus dieser Begegnung entstand ein oft konfliktreiches Ringen um Glauben, Wissen und Heilung, das bis heute in Parallelwelten von Christentum und indigener Spiritualität in der Region nachwirkt.
Im Mittelpunkt der Präsentation steht die kürzlich vom Museum erworbene Arzttasche des Missionars Guido Großmann (1871-1945), der zu Beginn des 20. Jahrhunderts fast drei Jahrzehnte an der Miskitoküste tätig war. Dieses Objekt zeigt eindrücklich das Wirken der Herrnhuter Missionare in Nicaragua, die ihr Engagement in der Region auf die Gesundheitsversorgung konzentrierten. Ergänzt wird sie durch Objekte traditioneller Heiler Nicaraguas: kunstvoller Kopfschmuck, Zeremonialstäbe sowie geheimnisvolle Ritualpuppen. Zu deren persönlichen Besitz gehört auch das „Blitzei“. Ein eiförmiger Stein, der als Medizin und als Schutz gegen schwarze Magie dient. Die „Kometenbombe“ wird heute noch als magische Waffe eingesetzt. Das in der Ausstellung gezeigte Objekt ist ein ovaler Ball aus Rindenbaststoff mit einem langen Fransenschweif. Traditionelle Heiler laden die Bombe mit magischen Zeichen auf und schicken sie an andere Orte, um dort bei ihren Feinden Krankheit und Tod auszulösen.
Außerdem gibt die Präsentation Einblicke in den Umgestaltungsprozess des Herrrnhuter Völkerkundemuseums und weist in die Zukunft. Bereits jetzt werden zentrale Themen sichtbar, die in einer größeren geplanten Ausstellung vertieft werden: Missionsgeschichte aus neuen Perspektiven, indigene Stimmen und die vielschichtigen Wechselwirkungen zwischen dem christlichen Glauben und den Kulturen der Miskitoküste.
Zur Ausstellung plant das Museum ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen. In den Sommerferien sind Kinder zu Workshops eingeladen und lernen Tiere im Regenwald Nicaraguas kennen oder erfahren, wie man aus Baumrinde Stoff herstellt. Anschließend können sie diesen mit verschiedenen Stempeln bedrucken.
Lars-Christian Koch, Direktor der Völkerkundemuseen in Leipzig, Dresden und Herrnhut: „Ich sehe die Sonderausstellung als Startpunkt für die neu zu gestaltenden Ausstellungsbereiche. Die planerische und konzeptionelle Umsetzung ist sehr weit fortgeschritten, so dass wir im Umfeld des 150. Gründungsjubiläums eine neue Präsentation zeigen werden.“
Laufzeit: 3. Juli 2026 bis 30. Oktober 2027
Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag und an Feiertagen 9 bis 16 Uhr
Eintritt: kostenfrei
Für die Berichterstattung werden auf Nachfrage individuelle Ausstellungsführungen angeboten. Die Presse ist zudem herzlich zur Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 2. Juli 2026, um 17 Uhr eingeladen. Hierfür bitten wir um Anmeldung über presse(at)skd.museum.