Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden trauern um Egidio Marzona (1944–2026)

17. März 2026

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden trauern um Egidio Marzona (1944-2026)

Am 15. März 2026 ist der italienische Kunstsammler und Mäzen Egidio Marzona (geboren 1944 in Bielefeld) im Kreise seiner Familie und Freunde in Berlin nach schwerer Krankheit verstorben. 

Egidio Marzona hat – über mehr als 50 Jahre hinweg – eine der umfangreichsten Sammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts zusammengetragen, die heute im Archiv der Avantgarden in Dresden und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin untergebracht ist. 

Bereits in jungen Jahren erwarb er erste Werke zeitgenössischer Kunst und betätigte sich als Galerist in Bielefeld und Düsseldorf. Ab den 1970er-Jahren gab er als Verleger seiner Edition Marzona Publikationen zu den Themen Bauhaus, Fotografie, Typografie und Architektur heraus. 

Zunehmend widmete er sich gänzlich dem Auf- und Ausbau seiner Kunstsammlung, die sich zunächst auf die damals aktuellen Kunstströmungen Minimal Art, Konzeptkunst, Land Art und Arte Povera konzentrierte. 

Sukzessive weitete er seine Sammlung auf das gesamte 20. Jahrhundert aus und trug parallel dazu ein umfangreiches Archiv aus Briefen, Fotografien, Ephemera, Zeitschriften und Büchern zusammen, da sein Interesse nicht nur den Kunstwerken selbst, sondern auch dem Prozess ihrer Entstehung galt. 

Zwischen 2002 und 2014 übernahm die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (teils als Ankauf, teils als Schenkung) seine mehr als 600 Kunstwerke und 40.000 Archivalien umfassende Sammlung zur Minimal Art, Conceptual Art und Arte Povera. Zurzeit befindet sie sich im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, der Neuen Nationalgalerie, dem Kupferstichkabinett und der Kunstbibliothek in Berlin und soll künftig Teil des in Bau befindlichen Berlin Modern werden. 

2014 wurde Marzona mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet. 

2016 schenkte er sein Archiv zu den Avantgarden des 20. Jahrhunderts und die dazugehörige Sammlung dem Freistaat Sachsen. Für die 1,5 Millionen Objekte umfassende Schenkung ließ der Freistaat das Blockhaus an der Elbe in Dresden durch das spanisch-deutsche Architekturbüro Nieto Sobejano umbauen. 2024 wurde das Archiv der Avantgarden - Egidio Marzona (ADA) als Teil der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden eröffnet. Es versteht sich als Forschungsinstitut und Museum zugleich und umfasst Werke aller Gattungen von der Zeit des geometrischen Jugendstil bis zur Postmoderne wie auch aus den Feldern Literatur, Politik, Philosophie, Film, Tanz und Theater. 2024 – im Jahr der Eröffnung – wurde das ADA von der deutschen Sektion des Internationalen Kunstkritikverbandes AICA zum Museum des Jahres gewählt. 

Für Marzona war es elementar, seine Sammlungen – im Sinne der Kunst als Allgemeingut – der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. 

Marzona war unter anderem Mitglied des Board of Trustees des Museum of Modern Art/PS1 in New York und gehörte zu den Mitinitiatoren der Kunst-Werke Berlin. 

2018 wurde die „Marzona Stiftung Neue Saalecker Werkstätten“ mit Sitz in Naumburg (Saale) ins Leben gerufen. Die von der Stiftung gegründete Design Akademie Saaleck (dieDAS) widmet sich durch die Vergabe von Stipendien der Förderung von innovativen Designern, Handwerkern, Architekten und Künstlern und wird vom Bund und vom Land Sachsen-Anhalt unterstützt. Die von Paul Schultze-Naumburg errichteten Saalecker Werkstätten werden derzeit nach einem Masterplan der dänischen Architektin Dorte Mandrup saniert und sollen künftig die international ausgerichteten Fellowship-Programme von dieDAS beherbergen. 

In Villa di Verzegnis im Friaul, woher seine Familie väterlicherseits stammt, richtete der Sammler ab 1989 einen Skulpturenpark mit Werken von unter anderem Bruce Nauman, Richard Long, Sol LeWitt und Carl Andre ein. 

Egidio Marzona hinterlässt seine Lebenspartnerin, eine Tochter und eine Enkeltochter. Sein Sohn Daniel Marzona ist 2024 verstorben. 

Barbara Klepsch, Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus: „Diese traurige Nachricht zum Tod von Egidio Marzona hat mich zutiefst getroffen. Mit seinem einzigartigen Lebenswerk als Galerist und Kunstsammler hat er über Jahrzehnte hinweg eine der bedeutendsten Sammlungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Mit seiner umfangreichen Schenkung einer außergewöhnlichen Sammlung an das Archiv der Avantgarden in Dresden setzte er ein starkes Zeichen der Verbundenheit mit dem Kulturland Sachsen. Dafür sind wir ihm sehr dankbar, denn damit hat er Dresden zu einem internationalen Zentrum für die Auseinandersetzung mit der Kunst der Avantgarde gemacht. In diesen schweren Stunden sind meine Gedanken bei seinen Angehörigen, denen ich mein tiefes Beileid aussprechen möchte“.

Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Ich bin außerordentlich dankbar dafür, dass ich Egidio Marzona noch persönlich erleben durfte, um mich mit ihm über sein bewegtes Leben als Galerist, Verleger und Kunstsammler sowie seine Vision für das Archiv der Avantgarden auszutauschen. Sein Wunsch, die umfangreiche Sammlung wissenschaftlich zu erschließen und weithin sichtbar zu machen, wird durch die Forschenden am Archiv und das Team der SKD in seinem Sinne auch künftig mit Leben erfüllt.“ 

Ein Kondolenzbuch liegt ab sofort bis einschließlich zum 24. März 2026 jeweils von 15–19 Uhr im Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona (ADA) aus.

Zum Nachruf von Rudolf Fischer

Pressebilder und -dossiers

Portrait eines pfeiferauchenden Mannes
Egidio Marzona © dieDAS - Design Akademie Saaleck
Haus vor blauem Himmel
Blockhaus mit dem Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Klemens Renner
Menschen in einem Ausstellungsraum mit kleinen Fernsehgeräten.
Ausstellungsansicht „Archiv der Träume. Ein surrealistischer Impuls“, 2024 Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Klemens Renner
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