150 Jahre Kunstgewerbemuseum Dresden – Gestaltung als Impuls für Gesellschaft und Wirtschaft

09. September 2026

150 Jahre

Wie wirkt Gestaltung? Kann sie den Geschmack einer Gesellschaft beeinflussen? Ist gute Gestaltung – und heute Design – von wirtschaftlicher Relevanz?

Diese Fragen waren Ausgangspunkt für die Eröffnung des Kunstgewerbemuseums (KGM) vor 150 Jahren am 15. September 1876. Ziel war es, durch das Sammeln vorbildlicher Objekte die Qualität und Innovationsfähigkeit sächsischer Erzeugnisse zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf nationalen und internationalen Märkten zu stärken. 

Diese Themen beschäftigen das Museum bis heute. Ab Herbst 2027 ist dazu eine eigene Ausstellung unter dem Titel „Geschmackssachen. Vom Kunstgewerbe zum Design“ im Japanischen Palais geplant. Noch in diesem Jahr wird das Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen, Vorträgen, Führungen und Konzerten gefeiert. Ein Festakt für geladene Gäste am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, würdigt die Rolle des Museums für Dresden und darüber hinaus. Im Japanischen Palais schließt sich die 5. Jahrestagung des Forschungsnetzwerks „Pioniere der Designausbildung – neue Perspektiven auf die deutschen Kunstgewerbeschulen vor dem Bauhaus“ an (09.10.2026). Sie widmet sich unter dem Titel „Durch eigene Tätigkeit gewonnene Einsicht“ der wichtigen Rolle von Werkstätten an Kunstgewerbe- und Designschulen damals und heute.

Mit einer öffentlichen Abschlusspräsentation zum bundesweiten Projekt der Kulturstiftung des Bundes „Übermorgen. Neue Modelle für Kulturinstitutionen“ blickt das KGM am Donnerstag, den 5. November 2026 um 18 Uhr in die Zukunft, ebenfalls im Japanischen Palais. Untersucht wird, wie sich das Museum mit der Stadtgesellschaft verbinden und in diese hineinwirken kann. 

Das KGM ist aktuell wegen Vorbereitungen zur baulichen Ertüchtigung geschlossen. Trotzdem sind Gäste an allen Sonntagen bis zum 1. November 2026 immer um 14 Uhr zu Führungen durch das Bergpalais in Pillnitz eingeladen. Wie jedes Jahr erklingen dort auch historische Instrumente aus der Sammlung im prachtvollen Hauptsaal. Einen besonderen musikalischen Akzent setzt am Samstag, den 19. September das Konzert „Die große Oktave. Aus den (Un-)Tiefen italienischer Cellomusik“. 

Neben der Auseinandersetzung mit historischen Objekten waren gesellschaftliche Fragen zu Aufgabe und Funktion von Gestaltung nicht nur für die Gründung des Kunstgewerbemuseums bestimmend, sie spielen auch künftig eine wichtige Rolle. Themen wie Material, Ressourcen, nachhaltige Produktion, soziale Verantwortung und Qualität von Alltagsgegenständen weisen weit über die reine Formgebung eines einzelnen Objekts hinaus. Seit 2020 untersucht der Design Campus als Forschungs- und Entwicklungsplattform des Kunstgewerbemuseums aktuelle Aufgabenstellungen in Bezug auf die Gestaltung unserer Umwelt. Dabei bildet die Sammlung den Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit Gegenwart und Zukunft: Wie wollen wir produzieren und konsumieren? Welchen Beitrag kann Design zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten? Welche Formen begleiten uns im Wandel? In diesem Sinne untersucht die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderte bundesweite Forschungskooperation RekonKI den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei historischen Rekonstruktionen. Ziel ist es, in den kommenden Jahren eine KI zur technischen Analyse von Textilien aus der Sammlung zu trainieren. Beteiligt sind neben den SKD weitere Projektpartner in Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg sowie unterschiedliche Anwender.

Wie dieses Projekt und viele weitere zeigen, ist dem Kunstgewerbemuseum von je her die Vernetzung und der Austausch in der Region und darüber hinaus wichtig. So zeigt das Stadtmuseum Halle die gemeinsam mit dem Museum Utopie und Alltag in Eisenhüttenstadt entwickelte Sonderausstellung „PURe Visionen. Kunststoffmöbel zwischen Ost und West.“ (19.06.2026–01.11.2026), die zuvor in Pillnitz zu sehen war. 

Zum Jubiläum erscheint eine Sonderausgabe der Dresdener Kunstblätter unter dem Titel „150 Jahre Kunstgewerbemuseum“ bei Sandstein Kultur, herausgegeben von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, 144 Seiten, 7 €, ISBN 978-3-95498-943-0. Das Heft vermittelt einen Einblick in die dynamische und keineswegs lineare Entwicklung des Museums und zeigt, wie eng Sammlung, gesellschaftliche Veränderungen und aktuelle Vorstellungen von Gestaltung miteinander verbunden sind.

 

Thomas A. Geisler, Direktor Kunstgewerbemuseum: „Heute besitzt das Kunstgewerbemuseum eine bedeutende, über 80.000 Objekte zählende Sammlung von Kunsthandwerk, Asiatika, Stilmöbeln, modernen Klassikern bis hin zum zeitgenössischen Design. Das Jubiläum bietet nicht nur Gelegenheit, auf 150 Jahre Museumsgeschichte zurückzublicken. Es eröffnet zugleich die Möglichkeit, die Rolle des Kunstgewerbemuseums als Ort der ästhetischen Bildung, des Austauschs und der Auseinandersetzung mit Gestaltung neu zu befragen.“

Pressebilder und -dossiers

Gelber eiförmiger Sessel mit Lehne und schwarzem Innenfutter
Garten-Ei, Peter Ghyczy, Entwurf 1968, VEB Synthesewerk Schwarzheide, ab 1972 VEB Synthesewerk Schwarzheide, um 1971
© Felix Ghyczy, Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
reich verzierter Schrank auf vier Beinen
Teeschränkchen in Lack aus Arita, Japan, 1710/1720 (Edo-Periode) © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Blick in die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums, des Vitra Design Museums und der Wüstenrot Stiftung »Deutsches Design 1949 – 1989. Zwei Länder, eine Geschichte«, 2021 © Vitra Design Museum, Foto: Ludger Paffrath
Entwurfszeichnung für Textilien, Irmgard Harras, Deutsche Werkstätten Textilgesellschaft – Dewetex, 1930er Jahre © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Figurinen eines Samurai und einer Dame, Japan, 1603–1868 (Edo-Periode) © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Geschnitztes Kästchen, Rudi Högner, Dresden, um 1926 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Innenansicht des alten Kunstgewerbemuseums am Antonsplatz, Luise Heynemann-Golßen, Dresden, 1882 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Dresdener Kunstblätter 70 (2026), Nr. 3, Cover: Blick in die Ausstellung des Kunstgewerbemuseums »Deutsches Design 1949 – 1989. Zwei Länder, eine Geschichte« · Dresden, Lipsiusbau, 2021 Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD), Iona Dutz / © Nachlass Helmut Bätzner (Bofinger Stühle)
skd museum kunstgewerbe studenten workshop kunst kuenstler
Terrasse des Wasser Palais in Schloss Pillnitz, Design Campus Sommerschule, 2021 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
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