Beeindruckende Wiederherstellung der Festsäle im Nordflügel des Dresdner Residenzschlosses
09. Januar 2026Beeindruckende Wiederherstellung
Mit der feierlichen Übergabe des Propositionssaals und des Großen Ballsaals im Nordflügel des Dresdner Residenzschlosses ist ein weiterer Meilenstein im Wiederaufbau des Schlosses erreicht. Die beiden Festsäle wurden nach jahrzehntelanger Zerstörung und provisorischer Nutzung aufwendig rekonstruiert und schließen nun wieder den historischen Rundgang durch die Festetage des Schlosses.
Finanzminister Christan Piwarz übergab heute den symbolischen Schlüssel an Dr. Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Im April 2026 werden die Räume für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Sie bilden den zentralen Schauplatz der neuen Dauerausstellung zur barocken Festkultur und höfischen Machtrepräsentation im kurfürstlichen Sachsen.
Knapp 81 Jahre nach ihrer Zerstörung – davon 40 Jahre als (Kriegs-)Ruine, 37 Jahre als Provisorium und drei Jahre als Baustelle – erstrahlen Propositionssaal und Großer Ballsaal wieder in historischer Anmutung. Unter Leitung der Niederlassung Dresden I des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) wurden die Säle seit Januar 2023 im Stil des Historismus neu inszeniert. Zahlreiche Expertinnen und Experten aus Denkmalpflege, Architektur, Wissenschaft und Handwerk wirkten an der Wiederherstellung mit.
Staatsminister Christian Piwarz würdigte heute die jahrzehntelange Aufbauleistung: „Mit der Zerstörung des Dresdner Residenzschlosses 1945 schien seine damals mehr als 700-jährige Geschichte beendet. Mit dem 1986 begonnen Wiederaufbau haben wir die Schloss- und Landesgeschichte weitergeschrieben, unser eigenes Kapitel hinzugefügt und zugleich Veranwortung für unser kulturelles Erbe und für kommende Generationen übernommen.“ Die Rekonstruktion der beiden Festsäle sei – wie alle bisherigen Bauabschnitte im Schloss – eine große Gemeinschaftsleistung, so Christian Piwarz weiter.
Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD): „Nach der feierlichen Übergabe der Schlosskapelle an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden vor wenigen Wochen markiert die Bauübergabe der beiden Festsäle im Nordflügel nun einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Vollendung des Dresdner Residenzschlosses. Mit der Einrichtung der neuen Dauerausstellung ,Masken und Kronen‘ in den kommenden Monaten wird die einst für das Zeremoniell und die Repräsentation am Hof herausragende Raumfolge im zweiten Obergeschoss dem Publikum dann erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg wieder vollständig zugänglich sein.“
Die Wiederherstellung der beiden Säle wurde auch durch Bundesmittel ermöglicht. Insgesamt flossen rund 21 Millionen Euro in die Rekonstruktion davon 4,6 Millionen Euro vom Bund und 16,4 Millionen Euro aus Landesmitteln. Bis zur Fertigstellung aller Bereiche des Dresdner Residenzschlosses im Jahr 2027 investieren Freistaat und Bund voraussichtlich rund 407 Millionen Euro in den Wiederaufbau – ein langfristiges und nachhaltiges Bekenntnis zu Sachsens kulturellem Erbe.
Denkmalgerechte Teilrekonstruktion mit modernster Technik-Ausstattung
Die Rekonstruktion der beiden Säle orientiert sich an dem historischen Umbau der Jahre 1838 bis 1854 unter Hofbaumeister Otto von Wolframsdorff, der durch umfangreiche Archiv- und Bauunterlagen gut dokumentiert ist. Auf die Wiederherstellung der einstigen Vergoldungen an Decken und Wänden und der monumentalen Gemälde von Eduard Bendemann wurde bewusst verzichtet. Stattdessen verbinden die Räume historische Architektur, erhaltene, sorgfältig restaurierte gestalterische Fragmente und hochwertige neue Handwerksarbeiten zu einer überzeugenden Einheit. Beide Säle erhielten wieder das überlieferte diagonale Versailler Tafelparkett aus Eichenholz.
In beiden Räumen erfolgt aktuell der Einbau von Vitrinen für eine inszenierende Präsentation von hochrangigen und einmaligen Kunstobjekten vor allem aus der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Die dafür benötigte modernste Technik für Beleuchtung, Elektrik und Klimatisierung wird über Bodentanks im Fußboden versorgt.
Propositionssaal: Ort der Macht und der Verfassungsgeschichte
Der Propositionssaal war im 19. Jahrhundert ein zentraler Ort staatlicher Macht. Hier wurde 1831 die erste sächsische Verfassung überreicht. Später diente der Raum als Thronsaal und Versammlungsort des Vorläufers des heutigen Sächsischen Landtages. Fünf originale Leuchter, darunter ein großer Kronleuchter, kehrten an ihren historischen Ort zurück. Ihre Engelsfiguren symbolisieren die Erleuchtung von König und Ständen bei der Gesetzgebung. Charakteristisch für den Saal ist die vollständig rekonstruierte hölzerne Ausstattung von Wänden, Decke und Boden. Die Kassettendecke aus Kiefernholz wurde in historischer Lasurtechnik gefertigt, um Eichenholzfurnier zu imitieren.
Großer Ballsaal: Bühne höfischer Festkultur
Vom Großen Ballsaal blieben nach der Zerstörung 1945 nur Außenwände und einige stark verwitterte Originalteile der inneren Wandverkleidungen und der Stuckdekoration erhalten. Die Wiederherstellung begann mit einer akribischen Sicherung und Übertragung historischer Spuren in den ergänzenden Neubestand. Bildhauer und Stuckateure formten Ornamente und Profile neu. Insgesamt entstanden 15 Modelle unter Beiligung von 35 Betrieben. Historische Fragmente wurden bei der Rekonstruktion sichtbar integriert und schlagen einen Bogen zwischen eindrücklicher Vergangenheit und Gegenwart. Die Denkmalpflege leistete hierbei eine große Unterstützung durch die Begleitung der ausführenden Werkstätten.
Eine besondere Herausforderung für die Stuckateure waren die nach dem Brand 1945 deformierten Wände. Es bedurfte großer Erfahrung und Einfühlungsvermögen in die Aufgabe, den historischen Verlauf des rekonstruierten Stucks insbesondere am Übergang zwischen Wand und Decke so zu vermitteln, dass sich für die Betrachter ein ausgewogenes Bild ergibt.
Mit den dunklen Schmuckgittern über den Fenstern, zwei Wandleuchtern mit Kristallbehang sowie vier vergoldeten Ballustradengittern konnten auch im Großen Ballsaal einige wichtige gerettete Originalausstattungsstücke in die Neuinszenierung integriert werden.
Ausblick: Ausstellung und Abschluss des Wiederaufbaus des Residenzschlosses
Die Übergabe der beiden Festsäle an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden markiert einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Vollendung des Wiederaufbaus des Dresdner Residenzschlosses bis 2027. Mit Abschluss der Baumaßnahmen im Nordflügel wird noch in diesem Jahr die Neugestaltung des Großen Schlosshofes fortgesetzt. Nach Jahrzehnten der Nutzung als Baustelleneinrichtung wird er unterirdisch technisch neu erschlossen und mit historischen Sandsteinplatten belegt.
Als letzte große Etappe steht dann der Ausbau der Räume im Erdgeschoss des Ostflügels – die sogenannte Gotische Halle – für die geplante neue Ausstellung zur Schlossgeschichte an. Dafür wird aktuell das Ausstellungskonzept durch die SKD erstellt und der SIB arbeitet an den baulichen Planungen für den Ausbau.
In den beiden Festsälen im Nordflügel präsentiert sich ab Frühjahr 2026 die neue Dauerausstellung der SKD mit dem Titel: „Masken und Kronen. Festkultur und Machtrepräsentation am Dresdner Hof“. Gezeigt werden herausragende Objekte wie der einzig noch erhaltene barocke Kurfürstenhut, die Krönungsfigurine Augusts des Starken, seine berühmte Sonnenmaske von Johann Melchior Dingliner sowie ein prachtvolles, mit über 500 Schellen besetztes Schlittenzeug Friedrich Augusts II. Gemeinsam mit der Ausstellung wird auch das Turmzimmer mit dem historischen Porzellankabinett wiedereröffnet, einst der erste Showroom der Meißner Porzellanmanufaktur.