Staatliche Kunstsammlungen Dresden zeigen Ausstellung über den mystischen Philosophen Jacob Böhme im polnischen Wrocław

25. Mai 2022

Ausstellung über den mystischen Philosophen Jacob Böhme im polnischen Wrocław

2017 widmeten sich die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) in einem umfangreichen Forschungs- und Ausstellungsprojekt dem Denken des mystischen Philosophen Jacob Böhme (1575–1624).

Nach weiteren Stationen in Coventry und Amsterdam findet das Projekt nun mit einer Präsentation im Universitätsmuseum von Wrocław seinen vorläufigen Abschluss.

Unter dem Titel „LILIENZEIT – Der mystische Philosoph Jacob Böhme und die Erneuerung der Welt“ stellt das Universitätsmuseum Wrocław in der Zeit vom 25. Mai bis 11. September 2022 die Grundideen Böhmes vor, skizziert seine Anfänge als Philosoph in Görlitz und beleuchtet seine Netzwerke in Schlesien und der Lausitz. Die Ausstellung thematisiert zudem die Rezeption seiner Werke in den Niederlanden und England und blickt auf die verschlungenen Wege, über die seine Manuskripte im 20. Jahrhundert an ihre heutigen Aufbewahrungsorte gelangten. Ein wichtiger Teil seiner Schriften befindet sich in der Universitätsbibliothek Wrocław. Hier zeigt die Präsentation bedeutende Archivalien, ergänzt durch Leihgaben aus der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften in Görlitz sowie der Bibliotheca Philosophica Hermetica in Amsterdam.

Jacob Böhme zählt heute zu den wichtigsten deutschen Denkern, der die Literatur, Philosophie, Religion und Kunst über die Jahrhunderte nachhaltig geprägt hat. Sein Schaffen fällt in eine Zeit, in der Europa von großen Unruhen erschüttert war. Kriege, religiöse Konflikte und Seuchen ließen viele Menschen glauben, dass das Ende der Zeit gekommen sei. In dieser Situation versuchte der Schuster und Laienphilosoph, Antworten auf existentielle Fragen zu geben. Böhmes Schriften waren zwar umstritten und zeitweise sogar verboten, seine Gedanken blieben jedoch über die Jahrhunderte hinweg lebendig.

Die Geschichte der Schriften von Jacob Böhme ist in mehrfacher Hinsicht mit dem Krieg verbunden. Nachdem Böhme ein Schreibverbot erteilt worden war, fügte er sich zunächst in sein Schicksal. Am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges nahm er seine Schreibtätigkeit jedoch wieder auf, weil ihm dies in Anbetracht der Situation geboten schien. Während des Zweiten Weltkriegs waren es wiederum Anhänger der Ideen Böhmes, die seine Manuskripte in der Stadt Linz am Rhein versteckt hielten. Da die Nationalsozialisten darin verbotenes Gedankengut vermuteten, wurden die Schriften beschlagnahmt. Wissenschaftlern gelang es jedoch, die konfiszierten Werke nach Görlitz überführen zu lassen. Dort wurden sie an Orten beiderseits der Neiße vor der Kriegsgefahr in Sicherheit gebracht, sodass sie sich heute teils in Deutschland und Polen befinden.

Auch wenn Böhme in einer Zeit großer politischer und religiöser Umbrüche lebte, zweifelte er nicht an dem Beginn der Erneuerung. In Anlehnung an die Lilie als Symbol für Hoffnung und neues Leben nannte er die kommende Ära des Friedens die „Lilienzeit“. Sein Friedensappell ist heute wieder so aktuell wie vor 400 Jahren. Eine Dauerausstellung zu Jacob Böhme in der Görlitzer Dreifaltigkeitskirche ist in Planung.

Zur Ausstellung in Wrocław erscheint ein Katalog mit Beiträgen in polnischer und englischer Sprache im Sandstein-Verlag. Herausgeber: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Lucinda Martin, Leigh T. I. Penman, Claudia Brink; 296 Seiten, ISBN: 978-3-95498-693-4; 24€.

Pressebilder- und -dossiers

Kupferstich, der Jacob Böhme schreibend in seiner Schusterstube zeigt
Jacob Böhme schreibend in seiner Schusterstube, 1686 Kupferstich
© SKD, Foto: Herbert Boswank
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