Einladung zur Pressekonferenz | Deutsches Design 1949-1989.

07. Oktober 2021

zur Pressekonferenz „Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine

Zwei Länder, eine Geschichte

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) zeigt ab dem 15. Oktober 2021 die Ausstellung „Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau. Nach der Präsentation im Vitra Design Museum in Weil am Rhein ist dies die zweite Station der Gesamtschau über die Designgeschichte der Nachkriegszeit in beiden deutschen Staaten bis zur Wiedervereinigung.

Zur Ausstellung

  • Laufzeit 15.10.2021—20.02.2022
  • Öffnungszeiten täglich 10—17 Uhr, Montag geschlossen
  • Eintrittspreise regulär 8 €, ermäßigt 6 €, unter 17 frei, Gruppen ab 10 Personen 7 €

Mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfal

Mehr als 30 Jahre nach dem Mauerfall thematisieren das Kunstgewerbemuseum und das Vitra Design Museum die komplexe Frage nach einer deutsch-deutschen Designgeschichte. Die 390 Exponate reichen von ikonischen Möbeln und Leuchten über Grafik und Inneneinrichtung bis hin zu Mode, Textilien, Schmuck und Fahrzeugdesign. Legendäre Alltagsobjekte wie die „Simson S50“ (1975) von Karl Clauss Dietel oder der „Schneewittchensarg“ (1956) von Dieter Rams sind ebenso zu sehen wie Neuentdeckungen und Raritäten, etwa Luigi Colanis skulpturaler Schlaufensessel „Poly-COR“ (1968) oder das therapeutische Spielzeug von Renate Müller. Der Blick fällt auf Protagonist*innen wie Rudolf Horn, Margarete Jahny oder Egon Eiermann ebenso wie auf prägende Hochschulen, den Deutschen Werkbund oder das Erbe des Bauhauses. Damit macht die Ausstellung deutlich, wie eng Design und Zeitgeschichte, Alltagskultur und weltpolitischer Kontext im geteilten Deutschland verflochten waren.

Die Präsentation bricht mit den Darstellungen bisheriger Retrospektiven und Publikationen, die der ostdeutschen Position selten eine eigene Bedeutung zugestanden hatten und stellt ihre schöpferische Qualität und die Suche nach Gestaltungslösungen in den Vordergrund. Somit wird ein neues Narrativ deutlich: Es geht darum, die ost- und westdeutsche Designgeschichte ineinander zu spiegeln und somit das Gesamtbild eines „Deutschen Designs“ und seiner Werte herauszuarbeiten.

Der außergewöhnliche Fall der doppelten Geschichte zeigt auf, welchen Stellenwert Design unter verschiedenen materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen hatte. Im ersten Ausstellungsbereich geht es deshalb um Formgestaltung in beiden Staaten als Instrument politischer Propaganda und Werkzeug für die jeweilige Identitätsbildung. Zudem werden Objekte vorgestellt, die eine Verbindung zwischen beiden Staaten aufzeigen. Das Anknüpfen an die Ideen der Moderne oder der wirtschaftliche Transfer waren demnach auf beiden Seiten der Mauer relevant.

Chronologisch folgen die drei weiteren Teile der Ausstellung „Wiederaufbau und Neubeginn“, „Zwei Gesellschaftsvisionen“ und „Krise, Protest und Alternativen“ den wichtigsten politischen Ereignissen wie der Gründung der zwei Staaten BRD und DDR 1949, des Mauerbaus und des Kalten Krieges bis zum Ende der deutschen Teilung 1989. Spannende Gestaltungspositionen der jeweiligen Zeit werden aufgegriffen, darunter der Wiederaufbau der Designausbildung und der jeweiligen Institutionen in den 1950er-Jahren, das sogenannte Space Age oder die Suche nach Alternativen nach der Ölkrise 1973.

Thomas A. Geisler, Direktor des Kunstgewerbemuseums: „Die Ausstellung ‚Deutsches Design 1949–1989. Zwei Länder, eine Geschichte‘ stellt das Design beider deutscher Staaten auf Augenhöhe gegenüber und erinnert damit an heute weniger bekannte Kapitel der deutschen Formgestaltungsgeschichte. In der Schau wird die politische Dimension von Design deutlich, gleichzeitig eröffnet sie uns eine faszinierende Vielfalt an Entwurfsstilen und Positionen, die mehr sind als ideologische Gegensätze zwischen Ost und West.“

Mateo Kries, Direktor des Vitra Design Museums: „Bis heute ist der Blick auf das deutsche Design zwischen 1949 und 1989 von Antagonismen zwischen Ost und West sowie damit verbundenen Klischees geprägt. Die Ausstellung zeigt, dass die Realität komplexer war und dass es neben Trennendem viele Verbindungen zwischen Ost und West gab. Ein solches Projekt konnte nur in enger Partnerschaft zweier Museen realisiert werden, die die zwei Perspektiven auf die deutsche Designgeschichte widerspiegeln und enger miteinander verweben wollten.“

Philip Kurz, Geschäftsführer und Leiter der Wüstenrot Stiftung: „Die Wüstenrot Stiftung versteht die Vielstimmigkeit des kulturellen Erbes als wesentlich für die kollektive Erinnerung unserer Gesellschaft. Erst wenn den verschiedenen zeitlichen und räumlichen Schichten der beiden deutschen Nachkriegsgesellschaften gleichermaßen Bedeutung beigemessen wird, können mehrdeutige ästhetische Zusammenhänge und damit auch Möglichkeiten zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Vergangenen und dem Kommenden entstehen.“

In Dresden wird die Ausstellung um ein umfangreiches Begleitprogramm im Ausstellungs- und Stadtraum erweitert. So werden in Kooperation mit dem Zentrum für Baukultur Sachsen Stadtrundgänge angeboten und ein Kinoabend ausgerichtet. Eine Präsentation der Online-Plattform „German Design Graduates“ bereichert die Schau im Foyer der Kunsthalle um zeitgenössische Positionen von Design- und Kunsthochschulen aus Deutschland. Ein besonderes Format sind die Podiumsdiskussionen mit dem Titel „Runder Tisch“, in Anlehnung an die gleichnamigen Verhandlungssitzungen zwischen Bürgerbewegungen und Vertreter*innen der DDR-Regierung in den Jahren 1989/90. Das Kunstgewerbemuseum lädt Designer*innen und Expert*innen aus Ost und West ein, ins Gespräch über unterschiedliche Verläufe der Formgestaltungslehre in DDR und BRD, über die Deutungshoheit oder der Formgestaltung abseits offizieller Strukturen zu kommen.

Die Deutschen Werkstätten in Hellerau unterstützen dieses besondere Gesprächsformat mit einem besonderen Möbel – einem wortwörtlich runden Tisch. In seiner Gestaltung lehnt sich dessen Schöpfer Gabriel Bensch an das Thema der Verschiebungen, Brüche und Überlagerungen an. In Kooperation mit der Firma Pestel wurde außerdem die Installation des sogenannten Z-Stuhls an der Fassade des Lipsiusbaus realisiert. Der mittlerweile ikonische Stuhl nach Entwurf von Ernst Moeckl steht für deutsch-deutsche Designgeschichte in den 1970er-Jahren. Er wurde in Westdeutschland entworfen und ab 1973 in der DDR hergestellt. Seit 2020 wird er wieder von der Firma Pestel produziert.

Begleitend zur Ausstellung ist die gleichnamige Publikation „Deutsches Design 1949-1989. Zwei Länder, eine Geschichte“ in deutscher und englischer Sprache entstanden. Herausgegeben von dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, dem Vitra Design Museum und der Wüstenrot Stiftung. Softcover mit Klappen, 320 Seiten, ca. 380 Bilder, 59,90 €. ISBN 978-3-945852-43-9 (DE)/978-3-945852-44-6 (EN).

Um die hygienischen Anforderungen in Zeiten von Corona zu berücksichtigen, ist eine Anmeldung zum Pressetermin unter presse@skd.museum unbedingt erforderlich. Es gilt die 3G-Regelung: Der Zutritt erfolgt nur mit einem Impf-, Test-, oder Genesenennachweis sowie nach einer Kontakterfassung vor Ort. Bitte beachten Sie, dass das Tragen eines medizinischen Mund-Nase-Schutzes (FFP2- oder OP-Maske) verpflichtend und der Abstand von 1,50 Meter zu anderen Personen einzuhalten ist.

 

Öffnungszeiten
täglich 10 bis 17 Uhr, Montag geschlossen

Ticketpreise
regulär 8 €, ermäßigt 6 €, unter 17 Jahre frei, ab 10 Pers. 7 €/Pers.

Partner & Förderer

Eine Ausstellung des Kunstgewerbemuseums, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, des Vitra Design Museums und der Wüstenrot Stiftung

Gefördert durch

Kooperationspartner Bildungsprogramm

Pressebilder- und -dossiers

Tabletts und Schalen, Albert Krause, Entwurf 1959 VEB Plasta Preßwerk Auma, Ausführung 1960
© Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Sessel mit einklappbarer Lehne, sog. "Senftenberger Ei", Entwurf: Peter Ghyczy, 1968 VEB Synthesewerk Schwarzheide, um 1971
© Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Stereoanlage RK 5 "Sensit", Karl Clauss Dietel, Lutz Rudolph, VEB Gerätebau Limbach-Oberfrohna (Receiver) und VEB Statron Fürstenwalde (Lautsprecher), 1967
© Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Zweifingerring, Rainer Schumann, 1986 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Teekanne und Sahnegießer „Drop“, Luigi Colani, Rosenthal Porzellan AG, 1971 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Pendelleuchte, VEB Leuchtenbau Arnsdorf, 1960er Jahre © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Margarete Jahny, Erich Müller, Kännchen aus dem Service „Rationell“, 1970 VEB Vereinigte Porzellanwerke Colditz
© Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Schaukelwagen, Hans Brockhage, Erwin Andrä, 1950, Hochschule für Bildende Künste Dresden, Siegfried Lenz
© Vitra Design Museum, Foto: Andreas Sütterlin
Teeportionskanne, Christa Petroff-Bohne, um 1965, VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke
© Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Gunter Binsack
Stuhl Känguruh oder Z-Stuhl, Ernst Moeckl, 1971
© Vitra Design Museum, Foto: Jürgen Hans
Innenansichten vom Palast der Republik in Berlin - Mitte © ddrbildarchiv.de/Manfred Uhlenhut
Ausstellungsansicht "Deutsches Design 1949 – 1989" © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz
Ausstellungsansicht "Deutsches Design 1949 – 1989" © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz
Ausstellungsansicht "Deutsches Design 1949 – 1989" © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz
Ausstellungsansicht "Deutsches Design 1949 – 1989" © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz
Kunsthalle im Lipsiusbau © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Iona Dutz
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