Gregor Schmoll. Wunderblock – Die Welt als Fotografie und Vorstellung

09 June 2017

Gregor Schmoll

Das Kupferstich-Kabinett nimmt in der Reihe „Weltsichten auf Papier“ mit wechselnden Werken aus seiner Sammlung oder ausgewählten externen Positionen Bezug auf die Dauerausstellung „Weltsicht und Wissen um 1600“. In der Zeit präsentiert der österreichische Künstler Gregor Schmoll (*1970) im Studiolo zwei konzeptuelle Fotoserien, in denen er sich mit dem Verhältnis von Wirklichkeit und Repräsentation auseinandersetzt.

  • Dates 14/06/2017—18/09/2017

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Das Kupferstich-Kabinett nimmt in der Reihe „Weltsichten auf Papier“ mit wechselnden Werken aus seiner Sammlung oder ausgewählten externen Positionen Bezug auf die Dauerausstellung „Weltsicht und Wissen um 1600“. In der Zeit vom 14. Juni bis 18. September 2017 präsentiert der österreichische Künstler Gregor Schmoll (*1970) im Studiolo zwei konzeptuelle Fotoserien, in denen er sich mit dem Verhältnis von Wirklichkeit und Repräsentation auseinandersetzt.

Die erste Fotoserie „Orbis Pictus“ (2014) geht auf das gleichnamige barocke Schulbuch des Humanisten Johann Amos Comenius zurück. Das mehrsprachige Bildlexikon erklärte Schülern bis ins 19. Jahrhundert hinein den gesamten Kosmos, wie auch die Dresdner Kunstkammer der Sächsischen Kurfürsten die Welt im Kleinen zugänglich machte und enzyklopädisch über sie Auskunft geben sollte. Comenius‘ Lehrbuch beschreibt die Welt – von Pflanzen und Tieren bis hin zu den Menschen. Deren Handwerke und Berufe, Künste und Wissenschaften, Tugenden und Laster wurden ebenso thematisiert wie Spiele, Politik, Kriege und Religionen. Die Bilder in Gregor Schmolls Serie ironisieren den Wahrheitswert dieser Welterklärungsmodelle, beispielsweise das kopernikanische Weltbild mit der Sonne im Zentrum als verstreute Murmeln oder den Blick durch Galileis Fernrohr auf den Mond, wegen der Kraterlandschaft mit „Frühstücksei“ betitelt. In Schmolls Version dienen die fotografischen Bilder weniger dem konkreten Erkenntnisgewinn als der Frage nach der bildlichen Repräsentation von Wissen. Die Serie veranschaulicht, wie willkürlich unsere Begriffe von Realität und Erkenntnis durch Bilder beziehungsweise durch die Fotografie geprägt sind. So ist die Fotografie für Schmoll kein Instrument objektiver Realitätswiedergabe, sondern erzeugt Bilder, die der menschlichen Vorstellung von Wirklichkeit entsprechen und damit häufig nur das bezeugen, was wir bereits als gegeben annehmen.

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Die zweite Fotoserie „Wunderblock. Die Dresdner Sammlung“ wurde speziell für das Studiolo als künstlerische Weiterführung von „Orbis Pictus“ konzipiert. Auf mehr als 200 Karteikarten hat Gregor Schmoll die „Dresdner Sammlung“ inventarisiert und diese sowohl in die Fächer eines Schreibtisches sortiert als auch zu einem Tableau an der Wand geordnet. Alle Objekte sind in ihrer materialen und technischen Beschaffenheit exakt erfasst. Fotografien belegen visuell den Bestand – durch die Inventarnummern der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden lassen sich die Objekte zuordnen und eindeutig identifizieren. Dem Museum kommt dabei eine entscheidende Rolle zu, denn es klassifiziert mittels Expertise und Autorität bestimmte Objekte als sammlungswürdig. So erlangen die Karteikarten und Fotografien eine eigentümliche Beweiskraft – beide Dokumente werden zu Metaphern der Wissensgenerierung und weisen kritisch-ironisch darauf hin, dass die Vorstellung von Kultur nie objektiv ist, sondern auch in Kunstkammern und Museen eine subjektive Behauptung bleibt.

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