Nachruf auf Georg Baselitz

Zum Tod des Künstlers (23. Januar 1938—30. April 2026)

Mit dem Tod von Georg Baselitz

Mit dem Tod von Georg Baselitz verliert die bildende Kunst eine ihrer über Jahrzehnte prägenden, eigenwilligsten und bewusst unbequemen Stimmen. Als radikal denkender und immer wieder provozierender Künstler hat er die Ordnung und Wahrnehmung des Bildes grundlegend „auf den Kopf gestellt“. Sein Werk ist zugleich von einer außerordentlichen Kenntnis künstlerischer Traditionen getragen, die er eindrucksvoll reflektierte und aus der heraus er immer wieder Neues entwickelte. In Malerei, Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik schuf er Werke von radikaler Bildfindung sowie technischer und formaler Souveränität. Sein künstlerischer Beitrag reicht weit über nationale Kontexte hinaus und hat international Maßstäbe gesetzt.

Für Sachsen

Für Sachsen, Dresden und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hat Georg Baselitz eine besondere Bedeutung. 1938 als Hans-Georg Kern in Deutschbaselitz bei Kamenz geboren, blieb er seiner Herkunft zeitlebens auf vielschichtige Weise verbunden. Als Jugendlicher besuchte er bereits Mitte der 1950er Jahre die Dresdner Kunstsammlungen; 2013 bezeichnete er sie in einem Interview als „das Fundament“ seines eigenen Werkes. Besonders prägend wurde für ihn Ferdinand von Rayski. Nach dessen Landschaftsstudie „Wermsdorfer Wald“, das als Reproduktion auch in seinem Klassenzimmer hing, malte Baselitz 1969 „Der Wald auf dem Kopf“ — und begründete damit den berühmten Kopfstand der Motive in seiner Malerei. Werke von Raffael, Cranach, Vermeer, Rembrandt, Rayski, Monet, Caspar David Friedrich und der BRÜCKE wurden zu wiederkehrenden Bezugspunkten eines Œuvres, das Kunstgeschichte produktiv befragte, störte und erneuerte.

Mann in einem Ausstellungsraum
© Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Killig
Georg Baselitz im Rahmen der Ausstellung "Maniera Baselitz – Das Nonkonforme als Quelle der Phantasie" im Kupferstich-Kabinett, März 2018

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben diese Verbundenheit über viele Jahre hinweg sichtbar gemacht. Baselitz war den Häusern der SKD eng verbunden, war immer wieder zu Gast und entwickelte 2013 auf Einladung der SKD mit „Georg Baselitz. Hintergrundgeschichten“ im Residenzschloss eine sehr persönliche Ausstellung aus Anlass seines 75. Geburtstags. Bereits 2009/10 war ihm mit „Georg Baselitz. Dresdner Frauen“ in der Gemäldegalerie Alte Meister eine große Ausstellung gewidmet; 2010 richtete er im neu eröffneten Albertinum einen eigenen Saal ein, in dem seine Werke in den Dialog mit der Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart traten. Sein Werk „Maler mit Fäustling“ von 1982 bildet auch in der aktuellen Ausstellung „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“ im Albertinum einen eindrucksvollen Abschluss. In diesem Kontext erscheint Baselitz nicht nur als großer Einzelgänger der Nachkriegskunst, sondern als Künstler, der die existenziellen Fragen des 20. Jahrhunderts — Verletzung, Erinnerung, Körper, Geschichte, Scheitern und Selbstbehauptung — in eine unverwechselbare Bildsprache überführt hat.

Eine besondere Rolle spielt sein Werk an den SKD durch die Stiftung Günther und Annemarie Gercken, die seit 2016 an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angesiedelt ist. Im Zentrum dieser Stiftung stehen Werke von Georg Baselitz aus allen Schaffensperioden: Gemälde, Zeichnungen, Holzschnitte und Radierungen, die seinen maßgeblichen Beitrag zur figurativen Kunst nach 1960 dokumentieren. Im Kupferstich-Kabinett Dresden ist Baselitz vor allem durch diese Stiftung in herausragender Weise vertreten — hervorgegangen aus der über Jahrzehnte gewachsenen persönlichen Nähe der Stifter zum Künstler. Das Kupferstich-Kabinett widmete Baselitz bedeutende Präsentationen, darunter „Maniera Baselitz. Das Nonkonforme als Quelle der Phantasie“ zum 80. Geburtstag des Künstlers sowie „Gegen den Strich. Druckgrafik der Stiftung Günther und Annemarie Gercken“, die die herausragende Bedeutung seines druckgrafischen Werks im Kontext der Stiftung sichtbar machte.

Dr. Bernd Ebert, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden:
„Georg Baselitz war ein Weltkünstler aus Sachsen. Für Dresden und die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden war er weit mehr als ein bedeutender Name der Gegenwartskunst: Er war ein Künstler, dessen Werk aus der frühen Begegnung mit den Dresdner Sammlungen mit hervorging und der diese Verbindung über Jahrzehnte hinweg immer wieder erneuerte — kritisch, eigensinnig, herausfordernd und zutiefst produktiv. Die vielfältigen Sammlungen der SKD waren für ihn Referenzpunkt und bildeten nach eigenen Angaben das Fundament seines Werkes. Wir trauern um einen Künstler, dessen Werk unser Bildverständnis dauerhaft verändert hat — und dessen Verbindung zu Dresden und Sachsen Teil dieser Geschichte bleibt.“

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