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03.02.12

Die Autonomie des Museums

Statement des Direktors der Gemäldegalerie Alte Meister und des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Bernhard Maaz, zu dem Streit über eine Ausleihe des „Selbstbildnisses mit Pelz“ von Albrecht Dürer:

"Die Autonimie des Museums

Bei dem derzeit um Albrecht Dürers Selbstbildnis in der Alten Pinakothek entfachten Streit handelt es sich um einen Kompetenz- und Methodenstreit und nicht alleine um die Frage der Ausleihbarkeit eines Gemäldes. Der Steuerzahler leistet sich Museen, um darin das Bewahrenswerte aus der Kunst-, Literatur- oder Weltgeschichte vorzufinden. Er bezahlt dafür nicht nur das Aufsichtspersonal, das dem Museumsbesucher den Weg weisen kann oder die Kunstwerke davor schützen soll, dass sie angefasst oder gefährdet werden, sondern auch die Restauratoren und Konservatoren, die je nach Amtssprache auch als Kustoden bezeichnet werden. Während die Restauratoren entstandene Schäden beheben und mehr noch die heute verbindliche Fachdisziplin der „präventiven Konservierung“, zu Deutsch die vorbeugende Erhaltung betreiben, haben die Kuratoren die „Cura“, also zu Deutsch die Sorge zu tragen, dass die Werke unter den bestmöglichen Bedingungen für die Nachwelt erhalten werden.

Dürers Selbstbildnis der Alten Pinakothek gehört zum Kanon der deutschen Kunst – auch über die deutschen Grenzen hinaus. Es wird – gleich zahlreichen Objekten in zahlreichen Museen – nicht ausgeliehen, damit es nicht gefährdet wird. Holztafeln wie diese sind in der Vergangenheit gedünnt worden, damit die Spannung minimiert wird, die dadurch entsteht, dass dieses organische Material bei Temperatur- oder/und Luftfeuchtigkeitsschwankungen Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann. Nimmt eine vorderseitig bemalte Tafel Feuchtigkeit auf, dann quillt das Holz, was auch bei geringen Schwankungen zu Verwerfungen führt. Solchen Risiken müssen Restauratoren, Kuratoren, Konservatoren, Direktoren vorbeugen – und das tut man, indem Werke von ihrem „wohltemperierten“ Platz nicht entfernt werden.

Ausstellungsmacher fragen wichtige Gemälde stets früh an, um zu ermitteln, ob Hauptwerke verfügbar sind, da sie anderenfalls ihr Konzept ändern müssen. Im Falle einiger Dürer-Leihgaben aus der Dresdener Gemäldegalerie erfolgte das analog zur Pinakothek. Aus analogen Gründen – um Risiken zu vermeiden – mussten die „Sieben Schmerzen Mariae“ abgesagt werden und auch nach mehreren Verhandlungen abgesagt bleiben. Ungeachtet dessen werden voraussichtlich die in gemeinsamer Arbeit entwickelten Forschungsergebnisse in der Nürnberger Dürer-Ausstellung dargelegt sein. Ein Hinweis auf die Präsenz des Gemäldes in Dresden oder in der Alten Pinakothek würde allen nützen – vor allem den Besuchern, die dadurch erfahren oder erinnern, welche Schätze im Lande vorhanden sind."

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