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Der Planeten wundersamer Lauf

Eine Himmelsmaschine für Kurfürst August von Sachsen

12. Mai bis 16. Juli 2017
Eine Ausstellung des Mathematisch-Physikalischen Salon

Eine dieser raffiniertesten Maschinen der Renaissance wird bei dieser Kabinettausstellung im Mittelpunkt stehen: die „Planetenuhr“, die für Kurfürst August von Sachsen zwischen 1563 bis 1568 hergestellt worden ist und zu den Höhepunkten der Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons zählt. Aufgrund ihrer wissenschaftlich wie technisch gleichermaßen komplexen Aufgabenstellung gehören diese Planetenuhren zu den raffiniertesten Artefakten der Frühen Neuzeit.

  • Planetenlaufuhr, Detail: Ziffernblatt der Anzeige der Position des Mars im Tierkreis von Eberhard Baldewein, Hans Bucher, Hermann Diepel, Kassel 1563-1568, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden
 - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.
  • Detail der Planetenlaufuhr von Eberhard Baldewein, Hans Bucher, Hermann Diepel, Kassel 1563-1568, Copyright: Staatliche Kunstsammlungen Dresden - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.


Die Planetenuhr vereint subtiles astronomisches Wissen, reichhaltige Verzierung sowie ein ausgeklügeltes Uhrwerk. Mittels einer besonderen Intervention in der Dauerausstellung zielt die Ausstellung darauf, dem heutigen Betrachter diese komplexe Himmelsmaschine plastisch zu vermitteln. Besonders für diese Ausstellung wurden Animationsfilme und Modelle zum Anfassen entwickelt. So können neugierige Besucher ohne spezielles Vorwissen die Uhr begreifen. Sie lernen dabei einige der Herausforderungen kennen, welche die Konstrukteure der Uhr meistern mussten und bekommen vor Augen geführt, warum das Wissen um die Planeten für Herrscher wie August eminent wichtig war.



  • Historie

    Die monumentale Planetenuhr gehört zu den mechanisch aufwendigsten und künstlerisch herausragenden Uhren der Frühen Neuzeit. Sie entstand im Auftrag des Kurfürsten August von Sachsen (reg. 1553 – 1586) am Hof seines Schwagers, des hessischen Landgrafen Wilhelm IV., und folgte einer ersten, für Wilhelm selbst gebauten Uhr, die sich noch heute in Kassel befindet. Die komplexe Mechanik beider Uhren wurde unter direkter Beteiligung des hessischen Landgrafen berechnet und unter der Leitung seines Konstrukteurs Eberhard Baldewein realisiert.

    Noch bevor die Uhr überhaupt fertiggestellt war, wurde im Ausland bereits erzählt, dass sie „schöner, größer und kunstreicher“ als ihr berühmtes Kassler Vorbild sei. Weder ein Ausbruch der Pest in Hessen noch wiederholte technische Schwierigkeiten und Kostensteigerungen bremsten Augusts Verlangen, dieses Wunderwerk zu besitzen. Als die Uhr nach fünf langen Jahren des Wartens in Dresden präsentiert wurde, war der sächsische Kurfürst über ihre vielfältigen Anzeigen „nicht wenig erlüstigt und ergölzet“, wie es in einem Augenzeugenbericht heißt. Mechanische Wunderwerke wie die Planetenuhr waren markante Herrschaftssymbole. Sie sollten einem Besucher des Hofes vor Augen führen, dass der Kurfürst sogar die komplizierten Bewegungen der Planeten am Himmel mit Hilfe eines Automaten beherrschbar machen konnte.

  • Funktionsweise

    Die Planetenuhr zeigt nach dem geozentristischen Weltbild den Lauf der sieben, mit bloßem Auge am Himmel sichtbaren Planeten – Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn sowie der Sonne und des Mondes an. Wo sich ein jeder dieser „klassischen“ Planeten, von der Erde aus gesehen, gerade im Tierkreis befindet, kann einzeln auf den vier Schauseiten der Uhr abgelesen werden. Bekrönt wird die Uhr von einem silbernen Himmelsglobus, auf dem die von Wilhelm und seinen Astronomen am Kasseler Schloss höchst präzise gemessenen Sternenpositionen graviert wurden. Das im Turminneren verborgene Uhrwerk dreht den Himmelsglobus einmal täglich um seine Achse und treibt die Zeiger der Uhren an den vier Schauseiten nach den jeweils eigenen Geschwindigkeiten der Planeten auf ihrer Laufbahn am Himmel an (von einer Umdrehung im Monat im Fall des Mondes bis zu einer nur ungefähr alle 30 Jahre im Fall des Saturns). Auch die gelegentlichen Intervalle der von der Erde aus gesehenen „retrograden“ oder rückwärtigen Bewegung der Planeten werden angezeigt.