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Von Schönheit und Größe

Römische Porträts und ihre barocke Aneignung

22. Juli bis 20. November 2016
Eine Ausstellung der Skulpturensammlung im Albertinum, Mosaiksaal

Die Dresdner Antikensammlung ist eine der ältesten kurfürstlich-königlichen Sammlungen Dresdens und eine der ältesten museal präsentierten, großen Antikensammlungen außerhalb Italiens. Die Bestände, die im Albertinum in Schaudepots hinter Glaswänden zu sehen sind, warten derzeit auf ihre Neupräsentation in der Osthalle des Semperbaus am Zwinger. Seit 2002, dem Jahr des Elbehochwassers, an das sich die Rekonstruktion des Albertinums anschloss und die Wiedereröffnung als Haus der Moderne, waren die antiken und barocken Skulpturen in der Öffentlichkeit nicht mehr angemessen präsentiert.


Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von rund 50 antiken und barocken Porträts und Porträtstatuen. Die Porträts – Bildwerke zwischen Authentizität und Idealisierung – spielten eine entscheidende Rolle bei der Definition und Kommunikation politischer, sozialer und gesellschaftlicher Identitäten und richteten sich mit unterschiedlichen Botschaften an den antiken Betrachter. Als eine der wichtigsten Kunstgattungen der Antike waren Bildnisse von Kindern, Frauen, Politikern, Feldherren und der herrschenden Elite im römischen Alltag allgegenwärtig. Sie standen auf öffentlichen Plätzen und wirkten als eine Art Massenmedium auf breite Bevölkerungsschichten. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden die oft nur fragmentarisch überlieferten Werke aufwändig und repräsentativ mit Büsten aus farbigem Gestein ergänzt oder in antiker Manier nachgearbeitet. Sie gelangten im frühen 18. Jahrhundert aus der Brandenburgischen Sammlung Friedrich Wilhelms I. (1688–1740) und aus der römischen Sammlung des Fürstenhauses Chigi nach Dresden.

  • Ausstellungsansicht im Mosaiksaal, Albertinum, Copyright: SKD, Foto: Martin Förster
 - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.
  • Ausstellungsansicht im Mosaiksaal, Albertinum, Copyright: SKD, Foto: Martin Förster - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.


Die Präsentation rückt diese Skulpturen, die den Kernbestand der Sammlung ausmachen und in ihrer Qualität und ihrem Umfang eine Besonderheit darstellen, in den Fokus. Unter den Objekten befinden sich außergewöhnliche Werke, wie die Statue des römischen Kaisers Antoninus Pius (150–160 n. Chr.), das Porträt seiner Frau Faustina (um 140 n. Chr.) auf einer prächtigen barocken Buntmarmorbüste oder die Büste des sogenannten Caligula aus Porphyr (17. Jahrhundert), auf deren Erwerbung August der Starke wegen des kostbaren Materials besonderen Wert gelegt hatte. Als Leihgabe aus dem Grünen Gewölbe ist unter anderem ein Kabinettstück von Johann Melchior Dinglinger und Balthasar Permoser ausgestellt, das eine antike Kamee eines römischen Kaisers in kostbarer Fassung zeigt. Im 18. Jahrhundert sah man in dem Bildnis den ersten römischen Kaiser Augustus. Mit seinem Namensvetter verband August der Starke seinen eigenen Ruhm als Herrscher und Schirmherr der Künste.

Diese Intention, antike Tradition zu verlebendigen und herrschaftliche Ansprüche zu demonstrieren, spricht Gianlorenzo Bernini an, wenn er meint, das Porträt habe "die Schönheit zu steigern und Größe zu schaffen".