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Taryn Simon. A Soldier is Taught to Bayonet the Enemy and not Some Undefined Abstraction

27. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017
Eine Ausstellung der Galerie Neue Meister im Albertinum im Salzgassenflügel 

Die gleichermaßen merkwürdigen und faszinierenden Bilder der US-amerikanischen Künstlerin Taryn Simon verweisen auf Dinge, Orte, Personen und Geschichten, die Teil unserer Welt sind, von denen wir aber wenig wissen oder gar nichts ahnen. Sie wecken unsere Schaulust und Neugierde, weil sie dem öffentlichen Blick entzogen sind oder weil wir ihnen für gewöhnlich kaum Aufmerksamkeit schenken, da sie an den Rändern des kollektiven Bewusstseins und der Medienöffentlichkeit angesiedelt sind.

Ob Taryn Simon außergewöhnliche Orte in den USA aufsucht, das Ordnungssystem der legendären Bildersammlung einer New Yorker Bibliothek untersucht, geschmuggelte Waren auf dem New Yorker Flughafen dokumentiert, nationale Suchmaschinen im Internet zu einer globalen Bildersuche zusammenführt, die durch James Bond-Filme fliegenden Vögel katalogisiert oder die dekorativen Blumengestecke auf Fotos historischer und aktueller Vertragsunterzeichnungen rekonstruiert – jeder ihrer Werkgruppen ist das Resultat einer oft jahrelangen Recherche. Als deren Ergebnis entstehen umfangreiche Fotoserien, die das jeweilige Thema wie ein Bildindex breit auffächern und systematisieren. Simon nutzt die fotografischen Möglichkeiten der Dokumentation und Reproduktion ebenso wie jene der Inszenierung. Die technische Realisierung, die Bildästhetik und Präsentation ihrer Aufnahmen verraten das Streben nach Perfektion – nichts bleibt dem Zufall überlassen. Simons sachlich-neutrale Werkkommentare behaupten zudem die objektive Zuverlässigkeit der Aufnahmen. Doch gerade der für Simons Arbeit wesentliche Zusammenhang von  Bild und Text führt in einen ausgedehnten Resonanzraum, in dem sich das Offensichtliche und das Vermeintliche, Realität und Fiktion, Intellekt und Emotion berühren.

  • Black Square XVII, 2015, Copyright: Taryn Simon. Courtesy Gagosian Gallery
 - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.
  • Black Square X, The Book of Record of the Time Capsule of Cupaloy, 2011, Copyright: Taryn Simon. Courtesy Gagosian Gallery
 - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.

 

Taryn Simons enzyklopädisch angelegte Typologien des Erstaunlichen und Bemerkenswerten erschließen nicht nur die randständigen oder unbekannten Territorien unserer medialisierten Welt. Sie demonstrieren zugleich, wie mit Hilfe von Bildern Wissen und Bedeutung produziert und mit Autorität aufgeladen werden. Bilder sind für Simon immer auch Funktionselemente und Indikatoren politischer, wirtschaftlicher, sozialer, religiöser und kultureller Systeme. Die Strategien und Mechanismen der Kontrolle, Verbreitung, Kontextualisierung, Interpretation, Manipulation und Vernetzung von Bildern in unserer Medienlandschaft führen letztlich zu der Frage,  wer in unserer visuellen Kommunikation für die Bildregie verantwortlich ist ‒ der Mensch, Computerprogramme, Algorithmen, Google?

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Galerie Rudolfinum in Prag organisiert.

Die Ausstellung wird maßgeblich unterstützt von der Gesellschaft für Moderne Kunst in Dresden e.V., diese mit Sonderspenden von Axel und Barbara Bauer, Heckschen & van de Loo und Sebastian Piper.