Ausstellung des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig
in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Leipzig
3. Dezember 2010 bis 14. August 2011
Vorstellungen von Krankheit, Heilung und HeilerInnen sind auf der ganzen Welt sehr heterogen und gehören zu den faszinierendsten Themen in der Untersuchung kultureller Differenz. Die Sonderausstellung spürt den Antworten nach, welche die Kallawaya-Heilkultur in den Hochanden Boliviens auf die beständige Gefahr menschlichen Lebens durch Krankheit und Unheil findet. Sie fragt danach, wie wir diese uns so fremdartig anmutende Heilkultur verstehen und interpretieren können. Was ließe sich aus dieser anderen Herangehensweise an Krankheit und Heilung für unsere eigene medizinische Praxis lernen? Ist sie uns tatsächlich so fremd, wie sie auf den ersten Blick scheint? Und was geschieht, wenn eine traditionelle Heilkultur mit der „westlichen“ Biomedizin in Berührung kommt? Durch diese Konfrontation soll zur Reflektion über eigene Vorstellungen zu Krankheit und Gesundheit angeregt werden.
Die auf einer Fläche von ca. 470m² gezeigten Exponate stammen aus der umfangreichen und zu diesem Thema einzigartigen Sammlung von Prof. Dr. Dr. h.c. Ina Rösing, Universitätsklinikum Ulm/Institut für Kulturanthropologie, die jahrelang bei den Kallawaya lebte und deren Heilkunst umfassend erforschte. Rösing hat mehr als 20 Jahre lang Aspekte der Kallawaya-Heilkultur aus sozialwissenschaftlicher und psychotherapeutischer Perspektive erforscht.
Bei den Objekten handelt es sich vor allem um Ritualingredienzien und -requisiten der verschiedenen Heilungstypen sowie eine große Fülle an Amuletten und Amulettbereitungen für alle Bereiche des Lebens in den Anden. Auch eine Vielzahl traditioneller Textilien (Taschen, Tücher, Gürtel und Stirnbänder), welche von hoher Qualität sind und in ihrer reichen Symbolik Alltag, Ritual und andine Religion zum Ausdruck bringen, wird gezeigt. Rösings Bildmaterial in Form von Dias dokumentiert umfassend in stets respektvoller Nähe viele individuelle und kollektive Heilungen en détail, die als hervorragende visuelle Ergänzung zu den ausführlichen Einzelbeschreibungen von Heilungen, Personen, Lebensräumen und Alltagspraktiken dienen. Die Objekte und Aufnahmen stammen überwiegend aus den 1980er und Anfängen der 1990er Jahre.
Ergänzt wird die Sammlung Rösing in der Sonderausstellung durch einen kleinen Ausschnitt aus der Privatsammlung von Dr. Ernst J. Fischer, der sich als Arzt besonders mit den Aspekten von Krankheit und Heilung anhand präkolumbischer Keramiken aus Peru beschäftigt. Die Figuren stellen klassische Krankheitssymptome und menschliches Leiden sensibel dar.
Weitere Leihgaben, die eine Ergänzung zu unseren Objekten sind, stellte das Institut für Botanik der Universität Leipzig in Form von Herbarien zur Verfügung. Das Kennenlernen und Verstehen kultureller Eigenheiten wird dem Besucher durch spezielle Führungen und Veranstaltungen für alle Altersgruppen erleichtert.