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Hereinspaziert - Kinder die Hälfte!

Die Nachspielattraktion der Marionettenspieler

9. Mai 2015 bis 28. Februar 2016
Ausstellung der Puppentheatersammlung, Museum für Sächsische Volkskunst

Hereinspaziert und Augen auf: in der Puppentheater-Manege geschieht Unglaubliches! Was dem Menschen unmöglich, ist der Marionette Kür:
Figuren verwandeln sich blitzschnell, zerfallen, verändern ihre Größe und schweben im Raum. Sie balancieren ohne Netz auf dem Hochseil, jonglieren ohne jemals einen Ball fallen zu lassen und springen durch Reifen ohne Beachtung der Schwerkraft oder sonstiger physikalischer Gesetze. Es sei denn, der Faden reißt!

Schon im 18. Jahrhundert zeigten italienische Puppenspieler besondere Figuren, die in ihren Bewegungen jedem Menschen überlegen waren. Sie nannten sie Fantoccini, kleine Kinder, da sie gewöhnlich nur halb so groß waren wie die anderen Puppen. Bei den Franzosen hießen solche Spezialmarionetten wegen ihrer Wandlungsfähigkeit „Metamorphosen“. Bei uns in Sachsen gehörten die "Fantoschen" zu jedem besseren Theater und waren der Stolz ihrer Besitzer. Heinrich von Kleist erlebte zwischen 1807 und 1809 in Dresden solche Puppenspielkunst von höchster Qualität. In seinem Aufsatz „Über das Marionettentheater“ setzte er der Puppenbühne von Lorgie und dessen virtuos geführten Tanzpaaren ein literarisches Denkmal. Eben diese Tanz-Marionetten gehören zu den ältesten Exponaten der Sammlung und sind nun die Alt-Stars der Ausstellung.

Varietémarionetten verschiedener sächsischer und thüringischer Bühnen, Ende 19. bis Mitte 20. Jahrhundert, Copyright, Puppentheatersammlung, SKD, Foto: Frank Höhler - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.

Beweglicher sind allerdings die etwas jüngeren Vertreter der Gattung. Vor allem im 19. Jahrhundert, zur Blütezeit der Kunstreiterei und des Zirkus,  wurden die Puppenspieler zu immer aufwendigeren Nachspielen angeregt. Manche von ihnen gastierten sogar auf den neu entstehenden Varietébühnen der größeren Städte oder schufen sich ihr eigenes „Varieté am Faden“. Noch bis in die 1960er Jahre reiste Eugen Singldinger mit einem großen Theaterzelt über die mitteldeutschen Jahrmärkte und führte seine Reifentänzer, Musikanten, Jongleure, Dompteure und Gewichtheber vor. Und selbst heute ist die große Kunst der kleinen Marionetten-Varietees nicht ganz ausgestorben. Filme zeigen die kleinen Künstler in Aktion.

In Zirkusatmosphäre werden historische Marionetten aus annähernd zweihundert Jahren, echte und falsche Automaten, mechanische Kunstwerke und Fahrgeschäfte - en miniature – präsentiert.

Da werden wohl neben den Augen auch manche Münder offenstehen. Hereinspaziert!!!