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Genau messen = Herrschaft verorten

Das Reißgemach von Kurfürst August, ein Zentrum der Geodäsie und Kartographie

23. September 2010 bis 23. Januar 2011

Eine Ausstellung des Mathematisch-Physikalischen Salons in Kooperation mit dem Hauptstaatsarchiv Dresden

Genau messen ist gleich Herrschaft verorten - schon Kurfürst August war diese Formel bekannt. Bereits 1587 enthielt die von ihm 27 Jahre zuvor gegründete Kunstkammer annähernd 1.000 mathematisch-technische Geräte und zahlreiche von ihm eigenhändig angefertigte Vermessungsrisse und Karten von Sachsen. Im Reißgemach, dem Zentrum der Kunstkammer im Residenzschloss Dresden, wurden die zur Anwendung für den Kurfürsten Werkzeuge und wissenschaftlichen Instrumente aufbewahrt. Diese entsprachen damals nicht nur dem neuesten Stand der Technik sondern erfüllten in höchstem Maße die repräsentativen Ansprüche einer fürstlichen Sammlung.

Ausgehend von den prunkvollen Zeugnissen der Landesvermessungen eröffnet die Ausstellung dem Besucher den Zusammenhang zwischen der Etablierung von Macht und der tatsächlichen räumlichen Verortung des Machtanspruches. Denn Land vermessen zu können, bedeutet eben auch, Land für sich in Anspruch nehmen zu können. Am Beispiel der Sammlung von Kurfürst August wird dies besonders deutlich.

Informationen zur im Rahmen dieser Ausstellung veranstalteten Tagung Kurfürstliche Koordinaten im Residenzschloss Dresden am 21. und 22. Januar 2011

 

  • Der furnembsten[...]Mathematischen und mechanischen kuenst eygentlicher Bericht [...] der lehr Virtuuij, in drey Buecher abgetheilet.“ Walther Hermann Ryff, genannt  Rivius, Nürnberg, 1547; © SLUB
  • Forstzeichenbuch Nr. 47: Lochische Heide von Georg Öder d. J., Jakob Krause, 1572; Karten und Risse
  • Radmantel von Johann Georg I., Hans Erich Frriese, Dresden, 1611, Rüstkammer, © SKD
  • Pendelrichtquadrat von Paulus Puchner und Christoph Trechsler d. Ä; Dresden, 1572; Mathematisch-Physikalischer Salon, © SKD
  • Kurfürst August von Sachsen, Zacharias Wehme, 1586, Öl auf Holz, Rüstkammer, © SKD
  • Riss zum Entenschießen, Kurfürst August, 10. April 1577, Feder auf Papier, SLUB

Unter den circa 80 Exponaten befinden sich unter anderem eine bislang unbekannte Studienausgabe der prunkvollen Edition der Forstzeichenbücher Kurfürst Augusts, sein vermutlich eigenhändig verfasstes Traktat zu den Methoden der Vermessungskunde und ein erst kürzlich entdeckter Entwurf eines Wagenwegmessers vom Schweriner Instrumentenbauer Jachenow. Ebenso ist ein Landschaftskleid von 1611 aus Seidenatlas und farbiger Seide mit Gold- und Silberstickerei zu sehen, welches die sächsischen „wildtnüßen, seefarten, ackerbaw, menschen und thieren“ zeigt und im Spiegel der von Kurfürst August initiierten Vermessungen von Sachsen in einem neuen Licht erscheint.

Die ehemals im Reißgemach bewahrten und von Kurfürst August genutzten geodätischen Instrumente aus den Beständen des Mathematisch-Physikalischen Salons und Karten des Hauptstaatsarchivs Dresden werden ergänzt durch Leihgaben aus der Rüstkammer, der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und dem Leipziger Grassi Museum für Angewandte Kunst.