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Gemaltes Land

Aquarelle der Aranda Zentralaustraliens

6. Februar bis 16. Mai 2016
Eine Ausstellung der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen - Völkerkundemuseum Herrnhut

Die Aranda leben in der Wüstenregion im Zentrum des australischen Kontinents. Ihr Land ist geprägt von zerklüfteten Berg- und Hügelketten, von Schluchten und sandroten Ebenen, die mit Akazien und Eukalypten bewachsen sind.

Die Menschen haben bis heute eine reiche Tradition an Zeremonien, Gesängen und Geschichten, die das Land und seine Flora und Fauna beschreiben. In umfangreichen zeremoniellen Zyklen sichern die Ureinwohner den Erhalt der Natur und aller ihrer Lebewesen. In diesen Zeremonien wurden Sandbilder gefertigt, die bestimmte heilige Orte mit Symbolen und vielen Punkten in einer abstrakten Weise beschrieben. Sie wurden nach den Zeremonien wieder zerstört. Mit diesen Sandmalereien wurde das enge Band zwischen den Aranda und ihrem Land immer wieder neu erschaffen und bekräftigt.

In Hermannsburg, einer kleinen Missionsstation der Lutheraner, 120 km von Alice Springs entfernt, entstand das erste Zentrum moderner Ureinwohnerkunst.

Angeregt durch den englischen Maler Rex Battarbee, begann Albert Namatjirra, ein Aranda, in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Landschaftsaquarelle zu malen. Er wurde sehr bald erfolgreich und berühmt. Sein Lebenslauf wurde typisch für die Konflikte zwischen der alten traditionellen Lebensweise und den Zwängen durch die Ureinwohnergesetzgebung Australiens. Diese Landschaftsmalerei im klassischen Stil, die Landschaften oder auch spirituelle Orte der zentralaustralischen Western Desert darstellt, nennt die Kunstwelt heute „Hermannsburger- oder Aranda-Malschule“.

Sie ist ausschließlich den zum Namatjira-Clan gehörenden Malern erlaubt, von denen bereits die vierte Generation erfolgreich auf dem Kunstmarkt auftritt.
Die Hermannsburger Aquarelle sind farbenfroh und sehr naturalistisch. Sie sind, anders als die Dot Paintings mit ihrer verschlüsselten Ikonographie, dem Betrachter direkt verständlich und verwirren eher durch ungewohnte intensive rote und violette Farben, die in den Bergen der Western MacDonnell Ranges im Abendlicht tatsächlich auftreten und dem Land eine besondere Schönheit verleihen. Die Aquarelle zeigen vor allem Orte, die für die Menschen Wasserressourcen bieten und die mit den heiligen Schöpfungsgeschichten der Traumzeit verbunden sind.

In den 1960er und 1970er Jahren wurden die Hermannsburger Aquarelle vor allem als Souvenirkunst betrachtet, die man als Tourist in Alice Springs erwerben konnte. Heute sind diese Arbeiten gefragte Sammlungsstücke, die ihren Platz nicht nur bei privaten Sammlern sondern auch in den Kunstmuseen Australiens und weltweit gefunden haben.

Die meisten der Maler sind inzwischen verstorben, die Vertreter der heutigen Künstlergeneration haben sich überwiegend anderen Formen der Kunst zugewandt, sie schaffen Dot Paintings, Keramikarbeiten und haben in den modernen Medien von Videokunst, Fotografie und digitaler Kunst ihren Platz gefunden.

Die gezeigten Malereien gehören zum Bestand der Australien-Sammlung des Grassi Museums für Völkerkunde zu Leipzig, es ist die einzige größere Sammlung von Hermannsburger Aquarellen in Europa.