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Eine Stadt im Krieg. Venedig 1915–1918

31. Juli – 25. Oktober 2015
Eine Ausstellung der Fondazione Musei Civici di Venezia im Japanischen Palais, konzipiert von Claudio Franzini

In den vergangenen Jahrhunderten war das Wasser der Lagune Venedigs Schutzwall, und die Bevölkerung wähnte sich aufgrund der Lage der Stadt sicher. Doch die Entwicklung der Kriegstechnik brachte zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue, bisher unbekannte Gefahr. Die Ausstellung berichtet von der außergewöhnlichen Situation einer einzigartigen Stadt, die sich erstmals gegen drohende Zerstörung aus der Luft verteidigen muss.

Nachdem Italien bei Kriegsausbruch zunächst neutral geblieben war, um 1915 auf Seiten der Allierten Deutschland und Österreich den Krieg zu erklären, wurden bis 1918 mehr als 1000 Bomben über der Stadt abgeworfen und gefährdeten Menschen, Bauten, Denkmäler und Kunstwerke.

Die Bilder des Archivio Storico Fotografico der Fondazione Musei Civici di Venezia zeigen Stolz und Selbstbewusstsein der Bewohner, den Willen zur Verteidigung und die Entschlossenheit, die Zerstörung ihrer Stadt abzuwehren. Auch wenn die Geschütze zerbrechlich wirken, die Propellermaschinen und Zeppeline ein leichtes Ziel scheinen, sorgsam errichtete Schutzmauern aus Sandsäcken und Holzverschalungen wenig Wehrhaftigkeit ausstrahlen, bezeugen sie doch eindrücklich die Dramatik des Geschehens. Sie dokumentieren das mühevolle Leben in Zeiten des Krieges, das Ringen des Einzelnen um die Sicherung seiner Existenz und das Streben einer Stadt, mit ihren Institutionen das öffentliche Leben aufrechtzuerhalten.

Bewegend sind die Bemühungen der Bevölkerung und des Militärs, die Kulturgüter Venedigs vor der Vernichtung durch die Luftangriffe zu retten. Fast anrührend wirkt es, wenn Männer in dunklem Anzug neben Frauen und Kindern, Matrosen und Offizieren der Demontage der Pferde von San Marco beiwohnen und bei der Errichtung von großen Barrikaden aus Sandsäcken helfen, die der Stadt ein anderes, fremdes Aussehen verleihen. So manche Aufnahme dokumentiert die beschädigten Skulpturen und Gemälde, das zerbombte Gewölbe der Scalzi-Kirche mit dem zerstörten Deckenfresko Giambattista Tiepolos, und damit das Scheitern dieser Anstrengungen. Die Bilder zeigen auch die Feierlichkeiten und Zeremonien, die nach dem Krieg der Opfer und zivilen und militärischen Leistungen gedenken.