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Das Holländische Dorf aus Meissener Porzellan

Dessert de Luxe bei Graf von Brühl

26. April bis 17. August 2015
Eine Ausstellung der Porzellansammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Als Trendsetter des kultivierten Lebensstils hat Heinrich Graf von Brühl (1700–1763), Premierminister unter dem sächsischen Kurfürsten und König von Polen August III., das Image des Meissener Porzellans maßgeblich geprägt: als Statussymbol, als Prestigeobjekt, als spektakuläres "Highlight" der Fest- und Tafelkultur im 18. Jahrhundert und als exklusive Tischdekoration. Das sogenannte Holländische Dorf präsentiert 24 Miniaturarchitekturen aus Privatbesitz, die der Modellmeister Johann Joachim Kaendler und seine Mitarbeiter Peter Reinicke und Johann Gottlieb Ehder ab 1743 in Meissen entworfen und in Porzellan umgesetzt haben.

In der Folge des festlichen Menüs spielte der Dessertgang eine herausragende Rolle und stellte die Hofkonditoren weniger vor kulinarische als vor allem vor künstlerische Herausforderungen. Nachdem die figürliche Tafeldekoration, die in der Zeit des Spätbarocks aus Tragant oder Zucker gestaltet worden war, ab 1730 durch dauerhafte Formen aus Porzellan ersetzt wurde, kam diesem Produktionszweig der Meissener Manufaktur eine immense Bedeutung zu. Erstmals seit über 250 Jahren werden die Lusthäuser und Porzellanfiguren auf einer zeitgenössischen Desserttafel als „dessert de luxe“ wieder inszeniert. Auftrag und Entwurf des Holländischen Dorfes belegen deutlich die Hinwendung des Grafen Heinrich von Brühl zur Natur und zum Landleben. Darin kann eine Vorform der sogenannten ferm ornée gesehen werden, wie sie der englische Gartenarchitekt Stephen Switzer (1682–1745) schon um 1715 in seinen Publikationen propagierte, die aber erst nach 1775 in den Hameaus des Herzogs von Condé im Park des Schlosses Chantilly und der Königin Marie Antoinette im Park von Versailles in die Praxis umgesetzt wurde. Insofern war Heinrich von Brühl seiner Zeit weit voraus, wie er überhaupt als Direktor der Meissener Porzellan-Manufaktur zusammen mit Johann Joachim Kaendler stets darauf bedacht war, Innovationen auf höchstem künstlerischem Niveau zu erschaffen.