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Sammlungsgeschichte

Wer heute nach Pillnitz fährt, um im weltberühmten Schloss an der Elbe das Kunstgewerbemuseum zu besichtigen, interessiert sich für die herrlich ausgestatteten kurfürstlich-königlichen Räume und die exzellenten Objekte, die fünf Jahrhunderte Geschichte regionalen und internationalen Kunsthandwerks lebendig werden lassen. Er weiß selten, dass dieses Museum 1876 im Zuge einer Kunstgewerbebewegung gegründet wurde, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzte. In Dresden – wie auch an anderen Orten Europas – wurde der von vielen empfundene Geschmacksverfall in der angewandten Kunst beklagt. Die in der Dresdner Sammlung präsentierten Objekte sollten als Vorbild und Lehrmittel für Industrie und Gewerbe dienen. In einer Doppelinstitution, die aus Kunstgewerbeschule und Museum bestand, sollte vor allem den Schülern der Schule Formgefühl und Geschmack sowie Handwerkstechniken vermittelt werden.

Der Übergang vom pädagogisch orientierten in ein kunsthistorisch konzipiertes Museum fand unter dem besonderen Engagement von Professor Dr. Karl Berling (1857-1940) statt. 1907 zog die Doppelinstitution in den mit Jugendstilelementen neu erbauten Komplex an der heutigen Güntzstraße.

1914 wurde das Museum offiziell von der Kunstgewerbeschule getrennt und Berling zum ersten selbständigen Direktor berufen. 1940 wurde der Sammlungsbestand aus Furcht vor Bombenangriffen in verschiedene Schlösser Sachsens ausgelagert. Dennoch gingen 13.500 Objekte verloren, besonders schwere Verluste erlitten die Ostasien- und Gobelinsammlung.

Seit 1963 befindet sich die Sammlung im Wasser- und Bergpalais des Schlosses Pillnitz. Die älteren Sammlungsschwerpunkte Textilien, Keramik, Schmiede-, Tischler- sowie Edelmetallarbeiten gehen bereits auf die Museumsgründung zurück. Nach 1945 kam der Schwerpunkt höfische Kunst hinzu. Heute wird auch der Sammlungsbestand an DDR-Design gepflegt. In den letzten Jahren konnte das Museum um wichtige Objekte zeitgenössischer, internationaler Designer bereichert werden.

  • Ausstellungsraum zum Thema Historismus - im Vordergrund Prunktisch und Kabinettschrank der Kunstmöbelfabrik Otto Bernhard Friedrich in Dresden. 1884-96 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: Hans Christian Krass
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  • Blick in den Raum mit Industriedesign der 1960er Jahre mit einer Phonoanlage von Brionvega, Mailand, nach einem Entwurf von Achille Castiglioni von 1965 © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Foto: Hans Christian Krass - Bild öffnet sich in einer Vergrößerungsansicht.