Zur Hauptnavigation

Zum Inhalt

Zur Bereichsnavigation

Neuerwerbung für das Albertinum

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erwerben wichtiges Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner

Der Ankauf von Ernst Ludwig Kirchners Straßenbild vor dem Friseurladen schließt eine langjährige Lücke in der Sammlung des Albertinum. Mit der Straßenszene kehrt ein Werk dauerhaft wieder nach Dresden zurück, das vor 1933 in der Abteilung moderner Kunst der Dresdner Galerie einen zentralen Platz einnahm. Künftig wird Kirchners leuchtende Straßenszene im Albertinum einen Höhepunkt im Expressionismus-Saal bilden.

Das Gemälde thematisiert den urbanen Alltag und die Entfremdung des modernen Großstadtbewohners, wie sie Kirchner erlebte. Die in Orange-Grün-Kontrasten komponierte Szene geht auf die starken Eindrücke zurück, die Kirchner - nach neun Jahren des Aufenthaltes und der Genesung in der Abgeschiedenheit der Schweizer Berge - während seiner Deutschlandreise 1925/26 aufnahm. Unterwegs in Frankfurt/Main, Chemnitz, Dresden und Berlin skizzierte er viel. Nach Davos zurückgekehrt, malte er, bewusst vereinfachend, aus der Erinnerung eine Serie flächenbetonter, durchkonstruierter Gemälde.

Das für Dresden erworbene Bild darf als das beste Werk Kirchners aus dieser Serie gelten: Der Künstler fand für diese Szene eine besonders spannungsvolle Bildkomposition. In grelles Licht getaucht, schreitet eine nächtliche Spaziergängerin auf ein hell erleuchtetes Schaufenster zu, umringt von teilnahmslos dahineilenden Passanten. Kirchner knüpfte mit dieser dynamischen Bildidee und dem beziehungsvollen Gegenüber von Männern und Frauen an seine bereits 1913/14 in Berlin entstandene Serie von Straßenszenen an, die heute zu den Inkunabeln der Moderne in Deutschland gehören.

Der Direktor der Staatlichen Gemäldegalerie Hans Posse hatte das Bild 1926 nach beharrlicher Verhandlung mit Ernst Ludwig Kirchner ausgewählt. Angekauft wurde es von der Stadt Dresden mit dem Ziel, seitens der Stadt „an der Vervollständigung der Gemäldegalerie teilzunehmen“. Bis 1933 war Kirchners Figurenbild im Semperbau am Zwinger als Leihgabe ausgestellt und wurde dann an die Stadt Dresden zurückgegeben. 1933 wurde es in der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Neuen Rathauses gezeigt, 1937 als „entartet“ beschlagnahmt und 1939/40 im Zuge der sogenannten Verwertung verkauft.