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Deus ex Machina. Weltbild und Kosmos in den Planetenuhren der Renaissance

Das 16. Jahrhundert ist die Epoche, in der das tradierte astronomische Wissen aus der Antike und dem Mittelalter zunehmend kritisiert und durch zeitgenössische Forschungen neu bewertet wurde. Dies wird nicht nur im astronomischen Schriftenkorpus fassbar, sondern auch in den berühmtesten dreidimensionalen Modellen des Himmels, die das Jahrhundert kannte, nämlich den beiden Planetenuhren, die Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel in den 1560er Jahren herstellen ließ. Die zwei Uhren – Wilhelms eigene in Kassel und die seines Schwagers, des Kurfürsten August, in Dresden – zeigen an, wo sich die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten von der Erde aus gesehen befinden. Ihre Darstellung folgt der spätantiken Theorie des Claudius Ptolemäus, die sich auf die Beobachtungen und Berechnungen babylonischer Kalendermacher stützte und durch Generationen islamischer Astronomen verfeinert wurde. Da sich die Uhren in wichtigen technischen Details unterscheiden und die spätere Dresdener Uhr anscheinend nicht-antike Grundparameter enthält, hat in den 1560er Jahren offenkundig eine Neubewertung der astronomischen Grundlagen stattgefunden, die es im Detail zu erforschen gilt.

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Ergebnisse und Ziele

  • Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, anhand der Planetenuhren einen Einblick in die Prozesse des Rezipierens und Transformierens von astrono-
    mischen Überlieferungen zu erarbeiten.
  • Wie breitete sich astronomisches Wissen aus, während es durch verschiedene Sprach- und mathematische Kulturen wanderte?
  • Spiegeln die teils subtilen Konstruktionsänderungen zwischen beiden Uhren die eigenen Beobachtungen Wilhelms und seiner Hofmathematiker wider?
  • Welche technischen Neuerungen waren nötig, um zu beobachtende Phänomene am Himmel (z.B. die unterschiedliche astronomische Länge der vier Jahreszeiten) in die Mechanik der Uhr einzubauen?
  • Zudem soll 2017 in einer Kabinettausstellung, die im Rahmen des Programms „International Fellowship Museum“ von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, den Besuchern durch neue Vermittlungsformate verständlich gemacht werden, welche Bedeutung die materiellen Symbole dieses Wissens gerade für Fürsten wie Landgraf Wilhelm IV. und Kurfürst August gehabt haben.

Projektträger

  • Staatliche Kunstsammlungen Dresden (SKD), Mathematisch-Physikalischer-Salon

Projektleitung

Projektmitarbeiter

  • Michael Beck (APK, Kassel)
  • Dr. Karsten Gaulke (APK, Kassel)
  • Dr. Samuel Gessner (Lissabon/Dresden, International Museum Fellow)
  • Lothar Hasselmeyer (SKD, Dresden)

Projektlaufzeit

  • 2014 bis voraussichtlich 2017

Projektpartner

Finanzierung

  • Museum & Research Foundation
  • Kulturstiftung des Bundes im Rahmen des „International Fellowship Museum“